Politik : … die Kohle glänzt

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Es ist in Zeiten mannigfaltiger Nebenerwerbstätigkeiten gewiss tröstlich, dass es auf der anderen Seite die altruistische Sache noch gibt. Die Sache, die um ihrer selbst geschieht und nicht zum eigenen Vorteil. Sie wohnt in Moers am Niederrhein, in der Jahnstraße, und es dient ihr ein gewisser Michael May.

Michael May war mal ganz unten. Der Mann war Bergmann. Er hat in den Zechen Niederberg und Rheinpreussen, in Pattberg und Walsum Steinkohle gefördert. Aber nun hat es sich ausgefördert, der Mann, 57, ist Vorruheständler und lebt in einer Bergarbeitersiedlung, eben in der Jahnstraße. Da kam die Kohle zu ihm. Nicht schwarz und dreckig und hart, sondern als Haus- und Aktienbesitz, Michael May erbte gleich ein paar Millionen Euro.

So weit ist die Geschichte an sich schon schön. Ein Kumpel, der schuftete und schuftete, es aber nie in irgendeinen Vorstand irgendeines Wirtschaftsverbandes geschafft hat, na ja, vielleicht wollte er das auch nie. Das Glück suchte, fand, belohnte ihn trotzdem, oder womöglich gerade deswegen.

Man könnte jetzt annehmen, dass Michael May die Kohle hortete, es krachen ließ, die Sause macht auf Malle oder sonst wo, wenigstens mit dem Ferrari durch Moers donnerte und anschließend auf der Yacht den Rhein auf- und abwärts schipperte, runter nach Emmerich, hoch bis nach Bingen. Er tat das alles nicht. Er spendete den Großteil, schließlich, so sagte er, „kann ich meinen Lebensunterhalt auch ohne das Erbe selbst bestreiten“.

Und wer bekam nun das viele Geld? Die MLPD, und zwar 2,5 Millionen Euro seit 2005. Die meisten werden kaum wissen, was das ist. Das ist eine Kleinstpartei mit gerade mal 2000 Mitgliedern, das M steht für marxistisch und das L für leninistisch, MLPD, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands.

Man kann natürlich jetzt die Historie anführen und dann sagen, dass das mit dem Marxismus-Leninismus ja nicht so gut geklappt hat. Aber die Partei ist selber der Meinung, dass in der „DDR und in der Sowjetunion 1956 auf dem XX. Parteitag der KPDSU der Sozialismus durch eine neue bürokratische Kapitalistenklasse zerstört“ wurde; wie die da halt so reden. Michael May nun hat diese Partei vor allen Dingen als die erlebt, die sich ohne Wenn und Aber auf die Seite der Arbeiter schlägt. Und das ist doch auf jeden Fall eine gute Sache. Tut doch sonst keiner mehr. Außerdem fährt die andere Seite ja auch schweres Geschütz auf mit all den Politikern in den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden. Hoch die May’sche Solidarität.uem

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