Politik : ...die Metzger nach der Sportschau greifen

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Wird ein wenig blutig heute hier. Wir schlachten die heilige Kuh namens ARDSportschau. Voll der Rinderwahnsinn! Zack, das war der Elektroschock, jetzt langen die Metzger vom Pay-TV hin, sie haben ihre blitzenden Messer gezückt, da fällt schon ein dickes Stück Schwarte zu Boden, der Eurospeedway, Gott ja, aber jetzt arbeiten sie sich wie rasend zum Lendenstück, der Fußball-Bundesliga, durch, es gurgelt das Tor des Monats durch den Abfluss… Nein, Frau Lierhaus, das ist nichts für Sie, gehen Sie lieber in die Kantine, da sitzt schon der Delling und weint auch.

So ungefähr wird das aussehen, wenn die Fußball-Bundesliga einen Vertrag mit „Premiere“ schließt, weil sie von diesem Sender 500 Millionen bekommen möchte und nicht nur 300 Millionen wie von der ARD. Doch nicht nur die Sportschau-Kuh steht dann vor der Zerstückelung, sondern der komplette Spieltag. Zwei Spiele abends, vier nachmittags, zwei am Sonntag; eins, so heißt es in Expertenkreisen, könne sogar nach dem Frühstück angepfiffen werden, um den asiatischen Markt zu erschließen.

Halt: Das ist womöglich der wichtigste Hinweis überhaupt. Das Monster Globalisierung reckt sein gefräßiges Haupt nun auch nach der, nein, nach unserer! Bundesliga. Demnächst, damit fing es an, beginnen in Berlin die Katar-German-Open im Tennis, und deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich die Fußball-Bundesliga, sagen wir, zur Shanghai Federal League wandelt, deren nähere Umstände von den Geldgebern bestimmt werden. Neun Neuntel zu je zehn Minuten, Sprachschranken – Heltha BSC, VfB Stuttgalt – müssen fallen, und wer den falschen Elfer versägt, hat sich vor einem Militärgericht zu verantworten. Und das alles nur noch für Premiere-Kunden, während in der ARD-Rumpf-Sportschau die fränkischen Meisterschaften im Chicorée- Weitwurf gezeigt werden.

Traurig. Und wer ist schuld? Die gierigen Fußballer, die sich aus Statusgründen ohne Dritt-Ferrari nicht mehr auf die Straße trauen, ihre Manager, die für den Shareholder-Value die letzte Bananenflanke verticken. Möglicherweise kann Münte noch was machen, kann die Investoren geißeln, die wie Heuschrecken über unsere Fußballvereine herfallen, kann die soziale Verantwortung all jener anmahnen, die von der ARD groß gemacht wurden und nun zusehen, wie die Metzger an die heilige Kuh herangehen. Ja? Herr Müntefering? Dann eben nicht.

(Geschrieben nachts zwischen 3 und 3 Uhr 30 mit freundlicher Unterstützung der Sonderwirtschaftszone Guangzhou.) bm

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