Politik : ... die Partyhühner gackern

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Drüben in China haben sie sich daran längst gewöhnt, dass sie für Deutschland die Drecksarbeit machen. Hemden nähen, Schuhe kleben, MP3-Player löten, alle Dinge, die bei uns nicht mehr bezahlbar sind. Die chinesische „TFC Trickcompany“ hat vor zwei Jahren 200 Zeichner insgesamt 250 000 Stunden an einem deutschen Zeichentrickfilm arbeiten lassen. Seither ist er fertig, doch die Suche nach einem Termin, an dem „Dieter – der Film“ bei RTL weggesendet werden kann, hat sich gezogen. Heute Abend, im Schatten von „Wetten, dass..?“ wird es passieren.

Kein Außenstehender hat das Werk bisher sehen dürfen. Was dennoch durch Abbildungen in „Bild“ bekannt wurde, lässt nur einen Schluss zu: Es handelt sich um den schlechtesten Film aller Zeiten, einen Streifen, der selbst unterirdische Konkurrenzprodukte wie „Werner – Volles Roäää!“ in den Rang großer Filmkunst erhebt.

Leider: Wir sind selbst schuld. Wir haben die Lebenserinnerungen von Dieter Bohlen 800 000fach gekauft, das heißt übersetzt in die Sprache der Medienindustrie: „Ein Film, bitte ein Film!“ Die gezeichnete Variante mit ihrer Tendenz zu plakativer Vergröberung schien geeignet, die Dialoge waren – soweit die gedruckten Szenen dieses Urteil erlauben – Stück für Stück aus dem prallen Leben gegriffen. Und zwar aus jenem Abschnitt des Lebens, wo die Partyhühner hysterisch gackern und die Partyhähne Sätze sagen wie „Man muss die Mädels feiern, wie sie fallen“ oder „Scheiße, wo kommt die denn her?“ Die Werbung spricht in solchen Fällen gern von einem „Gagfeuerwerk“. Und doch zierte sich der Filmverleiher, als sollte er die ungeschnittenen Urlaubsvideos von Onkel Max aus Pirna in die Multiplexe bringen.

Nun also RTL. Eingeweihte wissen: Wenn Gottschalk im ZDF herumkaspert, täte es auf den anderen Wellen auch ein Testbild. Zur Gesichtswahrung senden die Verantwortlichen also irgendwas, und der Bohlen-Film verdient es sicher, als größtes Irgendwas aller Zeiten eingestuft zu werden.

Daraus folgt eine dringliche Empfehlung: Ansehen! Gottschalk und seine Stars kommen alle halbe Jahre zurück, Dieters Film nicht. Nie! Er verschwindet heute um 22 Uhr in der Tonne, als hätte es ihn nie gegeben, löst sich zischend auf wie die Bandkassetten in „Cobra – Übernehmen Sie!“ Wer ihn versäumt, der kann allenfalls auf eine Privatvorstellung bei Bohlens zu Hause hoffen – und wer will das schon?

Ohne Chinas fleißige Hände hätte es diesen Film übrigens vermutlich nie gegeben. Teuflische Ironie der Globalisierung! bm

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