Politik : ...die Robbe liegen bleibt

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Ganz ehrlich? Der engagierte Dilettant ist uns suspekt – wir mögen ihn nicht, nicht mal als Zitat. Verständnis für ihn, Mitleid gar? Keine Spur. Niemals würden wir irgendwelchen selbst ernannten BobDylan-Verschnitten, die sich uns in regennassen Fußgängerzonen in den Weg stellen, auch nur 10 Cent in den Hut werfen. Laienpredigern, Feierabendsportlern, Volkshochschulmalkursbelegern, Baumarktfreaks oder Kindern beim Krippenspiel, die uns um Bewertung ihres Tuns bitten, rufen wir, die Hände in den Taschen, wahlweise und stimmungsabhängig zu: Tut mir Leid, gerade keine Hand zum Applaus frei! Oder: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint!

Bei „Eddie“, dem Ski springenden „Eagle“ mit der dicken Brille – Sie erinnern sich? – , hätten wir uns seinerzeit gewünscht, dass er sich bei einem seiner viel zu häufig viel zu kurzen Hüpfer wenigstens mal ordentlich das Knie verdrehen möge. Dann wäre zumindest eine Zeit lang Ruhe gewesen. Aber nix da. Solche Typen sind zäh und unverdrossen. Was schlimmer ist, sie sind mittlerweile überall, sie werden täglich mehr. Und sie nerven mit ihrer Ungeschicklichkeit.

Neustes Mitglied im Club: Elsie van Tonder, 49, Tierschützerin. Die Südafrikanerin hat dieser Tage bei dem Versuch, am Strand von George eine Robbe zurück ins Wasser zu tragen, ihre Nase eingebüßt. Vorübergehend zumindest. Bitte, so was passiert eben, wenn man vom Robben-ins-Meer-Tragen nix versteht! Wer tut das schon? Das Tier hatte, offenkundig in Panik über die unerwartete Dienstleistung, zack, Gebrauch von seinen scharfen Zähnen gemacht, die Nase bei seinem Rückzug ins offene Meer dann aber, gottlob, als nicht weiter von Belang angesehen. Die Nase fand sich am Strand von George, ungefähr da, wo vorher die Robbe gelegen hatte. Sie, die Nase, soll in einer Spezialklinik später wieder angenäht werden. Sofort geht das nicht. Wird schon wieder werden! Andernfalls hätten wir dieses Beispiel ja auch gar nicht verwenden dürfen, der Kolumne liegt schließlich ein Mindestmaß an Pietät zugrunde, insbesondere dann, wenn Tiere mit im Spiel sind.

Der fürs Robben-ins-Meer-Zurücktragen zuständige Meeresbiologe Herman Oosthuizen vom südafrikanischen Umweltministerium hat wegen der Nasen-Sache eine Warnung herausgegeben: „Es sind Raubtiere, sie haben scharfe Zähne, und wenn sie einen Menschen an der falschen Stelle beißen, können sie ihn töten.“ Ein wichtiger Hinweis! Wir indes hätten auch so unsere Finger von der Robbe gelassen. Hektisch gestikulierenden Menschen am Straßenrand, nur so zum Beispiel, winken wir seit jeher freundlich im Vorbeifahren zu – bestenfalls. Vbn

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