Politik : … die Sozis Trost bieten

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Gestern, es war Montag und es regnete, versammelten sich überall im Lande die letzten versprengten Gegner der Sozialdemokratie, ein uneinig Völklein wider die HartzReform. Die Attacke gegen die Regierung, in der die Sozialdemokratie einen nicht unerheblichen Teil besetzt hält, sie darf als vorerst gescheitert betrachtet werden. Wiewohl auch der Zustand der Opposition um Frau Angela Merkel als höchst bedauernswert zu nennen wäre. Merz weg, Stoiber auf der Zinne, Schäuble ohne Lust auf den Merz-Posten in der Fraktionsführung und die Wessis in den eigenen Reihen wie Oliver Kahn in der Bundesliga: beißwütig, schlagstark, trittfest. Ja, Herrschaftszeiten, ist denn nirgendwo Trost für die gnädige Frau? Doch. „Der Tag, an dem…“, traditionell auf Seiten der Geschwächten und Gebeutelten, hat gesucht und wurde fündig.

Es ist der 19. Oktober im Grunde ein konservativer Jubeltag. Einer, aus dem Kraft zu schöpfen ist gegen den Widerspruchsgeist. Und ein Tag, der vormacht, wie umzuspringen ist mit der Sozialdemokratie. Es jährt sich heute zum 126. Mal die Verabschiedung des Gesetzes, und jetzt bitte Angela Merkel und Montagsdemonstranten, genau zuhören: „gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“. Man liest, man stutzt, man glaubt es kaum: Der Sozialdemokratie haftete einmal etwas Subversives an? Münteferings Vorgänger Umstürzler? Schröders Ahnen Revolutionäre? Die Vorbilder von Kurt Beck, das ist der brave Pfälzer auf der Tribüne des 1. FC Kaiserslautern, sollen Freigeister gewesen sein? Nein, man glaubt es wirklich nicht. Und doch war es damals so. In der Folge des Gesetzes wurde unter anderem der sozialdemokratische Gesangsverein „Liberte“ in Luckenwalde aufgelöst und verboten, und betrieb Reichskanzler Otto von Bismarck seine Sozialistenhatz. Sozialdemokratische Parteigänger wurden polizeilich bespitzelt, tauchten in den Untergrund ab oder emigrierten. Binnen Kurzem wurden 892 Sozialdemokraten aus Preußen verwiesen. Aus allen schändlichen Aktionen aber, aus dem Komplott gegen die Sozialdemokratie ging sie am Ende gestärkt hervor.

Und was hilft das Frau Merkel? Wenn sie Herrn Stoibers „gemeingefährliche Bestrebungen“ im Gesundheitskonzept anprangert, wird der nur stärker. Merz bespitzeln? Schäuble? Die Wessis aus den eigenen Reihen weisen? Hilft doch alles nichts. Nur dies: Von der Sozialdemokratie lernen, heißt überleben lernen. uem

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