Politik : … die Zeit weiterläuft

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Im neuseeländischen Auckland hat es dieser Tage der mäßig begabte Golfer Bill Preston geschafft, auf demselben Kurs gleich zweimal ein „hole in one“ zu spielen, den Ball also vom Abschlag aus direkt ins Loch zu befördern. Preston gelang gewissermaßen ein „two holes in two“, was sich als feststehender Begriff mutmaßlich aber nicht durchsetzen wird. Die Wahrscheinlichkeit für gleich zwei derartige Wunderschläge lag der örtlichen „Daily Mail“ zufolge bei 1 : 9222500, wobei nicht ganz klar ist, wie die exakte Quote überhaupt zustande gekommen ist – ob man dabei redaktionsintern eher Pi- mal-Daumen-mäßig vorgegangen ist oder wenigstens Prestons Laktatwerte und sein aktuelles Handicap berücksichtigt worden sind. Sportlich gesehen sind die Präzisionsschläge im Übrigen ohne jeglichen Wert, sieht man mal von dem schönen Platz auf der Ehrentafel des Golfclubs ab, den Preston nun einnimmt. Bitte, sonst wäre über die „two holes“ ja schließlich auch nicht an dieser Stelle räsoniert worden, sondern im Sportteil. Interessant aber sind sie schon deshalb, weil sie die Theorie zu bestätigen scheinen, dass sich, gerade in nachrichtenärmeren Zeiten, die fantastischsten Geschichten immer in einer wahnsinnigen Entfernung abspielen.

Kurz: Um nachzuprüfen, was Preston da nun genau vollbracht hat, fehlt es uns schlichtweg an Zeit. Dabei hilft leider auch nicht weiter, dass im französischen Nantes Demonstranten das neue Jahr mit Sprechchören und Transparenten begrüßt haben, auf denen stand: „Nein zu 2007 – jetzt ist besser!“ Die Protestler forderten die Vereinten Nationen auf, den Lauf der Zeit zu stoppen und die Zukunft auf Eis zu legen. Wie aus New York zu hören ist, sehen die UN sich dazu derzeit allerdings nicht in der Lage, jedenfalls nicht so kurzfristig.

Philosophen, Biochemiker und andere Esoteriker versuchen ja schon seit geraumer, nun ja, Zeit, uns klarzumachen, dass selbige gar nicht existiert, allenfalls ein Hilfskonstrukt ist, damit unsereiner halberlei anständig durch den Alltag (?) kommt. Ein schöner Gedanke ist das nicht, und was es für Prestons Platz auf der Ehrentafel bedeuten würde, wenn plötzlich so ein Korinthenkacker mit der These daherkäme, jetzt, wo es keine Zeit mehr gäbe, sei das mit den „two holes in two“ auch nicht mehr so imposant, mag man sich lieber nicht ausmalen.

Besser man nähert sich dem Unfassbaren pragmatisch. In Nantes haben sie jedenfalls rechtzeitig (!) um Mitternacht ihren Text verändert: Nein zu 2008! Vbn

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