Politik : ...ein rostiger Ford zu Weltruhm kommt

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Bewegt sich der Papst, dann tut er das zu Fuß oder im Papamobil. Dachten wir. Denn nun drängen immer wieder angebliche PapstAutos in die Auktionen, dass es da noch etwas anderes geben muss. Tut sich womöglich alle paar Wochen eine Garagentür hinten unten am Vatikan auf, und ein bescheidener blauer Golf rollt heraus, gelenkt vom Oberhirten persönlich? Drapiert er seine Soutane sorgfältig zwischen Tür und Sitz, damit sie nicht durch den römischen Straßenschmutz gezogen wird? Kommt die Tiara in den Kofferraum, oder ragt sie oben aus dem Schiebedach hinaus?

Immerhin wissen wir genau, dass Papst Benedikt XVI. nicht amüsiert war über den Rummel um sein Auto. Er hat offenbar nicht mal einen Führerschein und ist als Kardinal nur ab und zu mit seinem damaligen Sekretär auf Spritztour gegangen. Ob dafür der Auktionserlös von fast 190000 Euro angemessen war, liegt im Auge des Betrachters. Es spielt ohnehin kaum noch eine Rolle, weil das nächste Papstfahrzeug glatte fünf Millionen Dollar einspielen soll.

Es handelt sich um den einzigen Wagen, den Johannes Paul II. je besessen (und persönlich gefahren) hat, einen Ford Escort GL, blau, Baujahr 1975. Aus heutiger Sicht eine trübe Möhre, real vielleicht 1200 Dollar wert, wie der Auktionator großmütig schätzt. Der Papstfaktor liegt also in diesem Fall irgendwo beim Viertausendfachen, vielleicht auch höher, denn versteigert wird in Las Vegas, wo das Geld besonders lockersitzt.

Eine etwas seltsame Vorstellung: Tony Bennett singt mit großem Orchester „The best is yet to come“, 40 Showgirls puscheln mit blauen Federboas herum, und dann hebt sich der Vorhang – für einen rostigen Ford. Was bewegt die Reichen, dafür so viel Geld zu bezahlen? Sie könnten die Batterie mit destilliertem Weihwasser befüllen und die Reifen dem hl.Christophorus anbefehlen – aber das hilft garantiert nichts, wenn die Staatsmacht mit dem Alkotest wartet. Dass sich ggfs. der Himmel auftut und eine neue Zylinderkopfdichtung in der richtigen Größe zu Boden fallen lässt, darf als gleichermaßen unwahrscheinlich gelten. Und ob hinten weißer oder schwarzer Rauch aus dem Auspuff dringt, ist egal. Es bedeutet nie was Gutes.

Es muss die Suche nach der päpstlichen Aura sein, nach einem undefinierbaren Irgendwas, das da im Innenraum herumschweben mag wie das Zitronenaroma vom Duftbaum. Das könnte sich dann z.B. auch in den päpstlichen Badeschlappen aufhalten: Wert zehn Euro, mal Papstfaktor wären das schon 40000. Und in Vegas glatt noch zehn mehr. bm

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