Politik : … eine Büroklammer teuer wird

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Jetzt werden auch noch die Brüder Grimm gemeuchelt, Hans im Glück zählt nichts mehr in dieser Welt. Der wackere Hans. Der einen Goldklumpen hatte, den eintauschte gegen ein Pferd, dies hergab für eine Kuh, jene tauschte gegen ein Schwein, dies auf gleichem Wege in eine Gans verwandelte, die allerdings nicht verspeiste – es war gerade keine Weihnachtszeit – sondern für zwei Steine, ja, man muss schon sagen, herschenkte. Und immer war er frohgemut. Und als er auch noch die Steine an einen Brunnen verlor, und also nichts mehr hatte, da rief er strahlend aus: „So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Das hatte noch Moral, Erbauungsliteratur im besten Sinne, Labsal für all jene, die auch nix haben. Weniger ist mehr, das erfährt doch jeder tagtäglich, beim Einkaufen, beim Tanken, oder so.

Kyle MacDonald aus Montreal kennt die Brüder Grimm wahrscheinlich nicht, oder er missachtet die Moral, auf jeden Fall will er aus Sch…, na, wie heißt das Dings noch, egal, … Gold machen. Das fing mit einer Büroklammer an. Einer gebrauchten, roten Büroklammer aus Plastik. Die tauschte er im Internet gegen einen abscheulichen Kugelschreiber in Fischform, den wertete er auf gegen einen auch nicht gerade traumschönen Türgriff, den bekam er getauscht und erhielt dafür einen zweiflammigen Campingkocher, der wiederum schnell wegging für einen 1000- Watt-Generator, aus dem nach einem weiteren Tauschhandel die Leuchtreklame für Budweiser-Bier wurde, die aber auch nicht lange blieb, sondern getauscht wurde gegen ein immerhin schon ausgewachsenes Snowmobil. Die Dinger kosten doch. Ist aber schon wieder weg, weil Kyle MacDonald es getauscht hat gegen eine dreitägige All-inclusive-Reise nach Yahk in British Columbia, Kanada. An- und Abreise, Übernachtung und Verpflegung, Snowmobil-Trips und Skitouren in den kanadischen Rockies. Kyle im Glück wird aber nicht fahren, er wird auch diese Reise wieder hertauschen, Ziel ist, bis zum 12. Juli 2006 ein Eigenheim getauscht zu bekommen. Am 12. Juli 2005 bot er seine verbogene Büroklammer an. Er macht jetzt aber erst einmal zwei Wochen Pause, die Hatz nach dem Mammon hat ihn ermüdet, tja, möchte man ihm zurufen, das ist der Preis für die Gier. Aber hübsch ist die Vorstellung schon, dass aus einer Büroklammer ein Haus wird. Der Unterzeichner braucht kein Eigenheim, sagen wir, einen Mercedes 200 D, der Strich-Achter, werkstattgepflegt, gut erhalten, wäre akzeptabel. Das Tauschgebot: Grimms Märchen, eine abgegriffene Ausgabe.uem

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