Politik : ...Elvis sich mit Hitler trifft

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Die meisten Nummer eins-Hits in der Geschichte des Hitwesens hatten – na wer wohl? Natürlich die alten Beatles (20) vor Großkönig Elvis (18) und Mariah Carey (16). Es folgen Michael Jackson und Madonna. Die Frau mit den meisten Nummer-eins-Hits hintereinander heißt Whitney Houston (7), schade, dass sie so ungesund lebt. Die Band mit den meisten Nummer- zwei-Hits in der Geschichte, quasi der Jan Ullrich der Musik, heißt Creedence Clearwater Revival.

Es gibt zahlreiche verschiedene Hitparaden, die wichtigste ist vielleicht immer noch diejenige des amerikanischen „Billboard“. Am 20. Juli wurde, wie fast jeder weiß, ein Attentat gegen Adolf Hitler unternommen. Am gleichen Tag, vier Jahre zuvor, also am 20. Juli 1940, wurden zum ersten Mal die offiziellen Top Ten im „Billboard“ abgedruckt, einem Magazin, das ursprünglich eine Karnevalszeitschrift gewesen ist.

Die erste Nummer eins hieß „I’ll never smile again“, gesungen von Frank Sinatra.

Hitler und die Hitparade haben nicht viel miteinander zu tun, könnte man denken. Stimmt nicht. Erstens wird Hitler immer mehr zu einer Popfigur, darüber gibt es eine Menge Essays. Bei einer Umfrage in Großbritannien sollten die Leute bei verschiedenen Namen ankreuzen, ob die betreffende Figur tatsächlich gelebt hat oder nur in Filmen und Comics vorkommt. Zehn Prozent aller Briten sagen: Hitler ist eine Filmfigur. In Detroit dagegen ist die Band „Elvis Hitler“ seit Jahren aktiv, Musikrichtung: Psychobilly, mit Alben wie „Disgraceland“ oder „Helbilly“. Ihr größter Hit heißt „Teenage Surf Slave“. Und zur Jahrhundertwende hat das amerikanische „Time Magazine“ eine Umfrage veranstaltet, nach der – ohne jede moralische Wertung – wichtigsten Figur des 20. Jahrhunderts. Lange lag Hitler auf Platz eins der Hitparade, aber dann sackte er doch noch auf Rang drei. Der Sieger hieß Elvis.

Der Theatermann Antonin Artaud behauptete, er habe Adolf Hitler zu Zeiten der Weimarer Republik einmal zufällig getroffen und ihm geraten, statt einer politischen Laufbahn lieber wieder eine Künstlerkarriere anzustreben, er sei als Künstler eindeutig begabter und würde in der Politik doch nur Schaden anrichten. Ein Theaterstück von Tom Peuckert erinnert an diesen – wahren? erfundenen? – Vorfall. Aber Hitler wollte nicht hören. Heute, wo es Pop gibt, Rap, Psychobilly, ist die Chance viel größer, dass einer wie Hitler lieber ins Musikbusiness geht. Man verdient dort auch mehr. Diesen Fortschritt verdanken wir unter anderem der Zeitschrift „Billboard“. mrt

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