Politik : … England unterwandert wird

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Darf man behaupten, dass das Verhältnis des Briten zum Tier derzeit eine zumindest „unglücklich“ zu nennende Phase durchläuft? Kürzlich erst scheiterten sie drüben auf der Insel doch recht kläglich mit ihren Bemühungen, einen in der Londoner Themse schwimmenden Entenwal lebendig zurück in die Nordsee zu verfrachten. Dann bekam Englands bekanntester Rechtsfuß, David Beckham, mächtig Ärger, weil er selbigen (und seinen linken zu allem Überfluss auch) für Flanken und Freistöße diensthalber in Schuhe zwängte, die aus der Haut von Babykängurus hergestellt worden sind. (Leider haben wir an dieser Stelle nicht die menschliche Größe, auf die Anmerkung zu verzichten, dass sich die Sprungkraft von Beckham durch die Känguruleder-Schuhe augenscheinlich nicht wesentlich erhöht hat, ha-ha.) Wichtig ist noch zu wissen, dass Beckham auch bei seinen Bemühungen die Tierschützerszene zu besänftigen, eher ein Eigentor geschossen hat, weil er nach deren Protesten zwar eigens zwei Paar synthetisch hergestellte Schuhe benutzte, allerdings nur zu Modeaufnahmen, nicht aber aufm Platz, also da, wo wichtig ist.

Einzelfälle, könnte man sagen. Beckham. Der Entenwal. Nun aber schickt sich die chinesische Wollhandkrabbe an, das Vereinigte Königreich buchstäblich zu durchlöchern. Wer jetzt sagt: Na und?, der kennt die Krabbe nicht. Sie ist robust. Dezimiert den Bestand an Flusskrebsen und Lachseiern. Und wenn sie nicht frisst, dann buddelt sie gerne – nämlich sich selber ein. Dummerweise haben die Löcher von sich selbst einbuddelnden chinesischen Wollhandkrabben einen Durchmesser von bis zu einem halben Meter. Ganze Uferpartien können so im krabbenumdrehn über die Wupper gehen, Flussläufe werden verändert und, wer weiß, wenn sich demnächst mal wieder ein Wal in die Themse verirren sollte, dann kann er nicht mal mehr an einem ordnungsgemäß befestigten Ufer verenden.

Kleinigkeiten? Wie man’s nimmt. Denn erstens ist die Krabbe nicht allein (wie Beckham/Wal), hunderttausende sind es schon. Und zweitens: Wenn die Krabbe nicht frisst oder buddelt, dann wandert sie für ihr Leben gern, wenn’s sein muss auch schon mal ein paar Kilometer über Land, da kennt sie nix. Von den Ufern der Themse bis zum Buckingham-Palast, nur so zum Beispiel, ist es nicht weit. Nicht auszudenken, wenn die Krabbe Gefallen daran fände, sich in royaler Umgebung zu vergraben. Gibt es einen Ausweg? Ja. Das Natural History Museum hat aus gegebenem Anlass daran erinnert, als was das Tier in seinem Herkunftsland gilt: als Delikatesse! Vbn

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