Politik : … Erich uns einseifen soll

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Es ist seinerzeit ja kaum etwas so sehr überschätzt worden wie der Lebensstil der DDR-Elite. Dederon und Sprelacart, wohin das Auge reichte – und das elitäre Wohngetto in Wandlitz erwies sich nach dem Mauerfall als spießige Einfamilienhaussiedlung für alte Knacker, deren Zeit längst abgelaufen war. Insofern hält sich unser Interesse an Details dieser untergegangenen Epoche in Grenzen. Mag sein, dass sich Erich und seine Kumpane den realen Sozialismus mit Metaxa aus dem Intershop schöngesoffen haben und anschließend die Hände zunächst in westlicher Lux-Seife und dann in Unschuld wuschen. Ist doch egal heute.

Na, jedenfalls prinzipiell. Ab und an kommt irgendein Produktmanager auf die Idee, die Lemuren der jüngsten deutschen Vergangenheit auferstehen zu lassen, exhumiert Markennamen und äfft Produkte nach. Das neueste: „DDR – Erichs Luxus Duschbad“, das jetzt von einer Berliner Supermarktkette, wie Experten sagen, veraktioniert wird. Hübsch mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz auf der Verpackung. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen, die wohl nicht anders konnte, als sich zu empören, hat uns den Vorgang geschildert; eine Probe konnten wir leider noch nicht nehmen.

Deshalb hier nur ein paar Vermutungen. Wird Erichs Duschbad sanft nach Bestarbeiter-Schweiß müffeln, möglicherweise ein wenig authentischen Kohlenstaub enthalten, wie ihn Adolf Hennecke seinerzeit beim dreifachen Normübererfüllen einatmen musste? Basisgewürz ist vermutlich Kernseife à la Margot, angereichert mit ein wenig Lysol gegen bakterielle Anfeindungen imperialistischer Kräfte. Schaumbildung wäre nur Krampf im Klassenkampf. Aber was hat Erich unter der Dusche eigentlich mit Hammer und Zirkel angestellt? Hier ist noch ein Aufkleber für die Badezimmertür: „Niemand hat die Absicht, eine Duschabtrennung zu errichten.“

Ja, soll uns das nun empören? Und wer wäre die Käuferzielgruppe? Mürbe Stasi-Majore werden eine solche Ausgeburt bourgeoiser Ironie zweifelsfrei auch heute nicht einmal verachten wollen, Jungsozialisten dürften sich am Design stören. Und dass es zum offiziellen Duschbad der Fußball-WM ernannt werden könnte, scheint im Moment ausgeschlossen.

Insofern wird dem Zeug wohl nur eine kurze Karriere als heiteres Mitbringsel vergönnt sein. Reste mag der Hersteller dann als „Gorbis Bade-Gel“ oder „Walter Ulbrichts Spitzbart-Dressing“ neu verpackt auf die Reste-Rampe schicken. So oder so reicht ein kräftiger Wasserstrahl, um den ganzen Spuk spurlos zu beseitigen. Das war damals mit dem Sozialismus an sich bedeutend schwerer. bm

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