Politik : ...Erwin Ideen hat

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Nun, da feststeht, dass wir Deutschen im nächsten Jahr FußballWeltmeister werden, können wir uns der Stadt Düsseldorf zuwenden. Fußball-Weltmeister werden wir, weil unsere Connection zum Fußball-Gott und dessen Stellvertreter auf Erden nicht besser sein könnte. Düsseldorf aber hat Joachim Erwin zum Oberbürgermeister.

Von Erwin lernen, heißt siegen lernen, sagen die Menschen am Rhein. Erwin hat dieser Tage das Prinzip Pfadfinder nach Düsseldorf gebracht. Das Prinzip Pfadfinder verlangt, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen. Das machen jetzt viele Düsseldorfer. Einige führen in Schulen die notwendige Toilettenaufsicht. Andere unterstützen die Lehrer beim notwendigen Kopieren von Unterrichtsmitteln. Dritte helfen in den Straßenbahnen älteren Fahrgästen beim notwendigen Ein- und Aussteigen. Wieder andere arbeiten in Krankenhäusern und lesen liebevoll Patienten vor. Für diese guten Taten bekommen sie einen Euro pro Stunde. Dabei sind es Menschen, denen es selber nicht gut geht, Sozialhilfeempfänger nämlich. Durch Erwins Innovationen sind sie weg von der Straße und raus aus der Statistik.

Es sind noch viele Ein-Euro-Jobs denkbar, die Erwin schaffen kann. Erwin die Schuhe putzen zum Beispiel, wenn es notwendig ist. Oder die Bundeswehr auffüllen, ja, das wäre Klasse. Die Bundeswehr klagt ständig über Personalnot. Da könnten die Leute doch, wenn sie in Düsseldorfs Schultoiletten ihren Arbeitsdienst geleistet haben, anschließend am Hindukusch den Erwin verteidigen. Noch eine Innovation: Die Leute könnten für einen Euro in der Stunde Erwins Steuererklärung machen. Er selber kann das nicht so gut. Von 1998 bis zum Jahr 2000 müsste in den Erklärungen noch etwas aufgearbeitet werden. Nach Berechnungen damaliger Steuerfahnder geht es um 5554514 Mark, die als Einkünfte deklariert und versteuert werden könnten. Umgerechnet in Euro und nach Steuer sind das eine Menge Ein-EuroJobs.

Andere Sachen als Steuererklärungen kann Erwin besser. Ski-LanglaufenLassen etwa. Einmal im Jahr flitzen Skilangläufer am Ufer des Rheins um die Wette. Grad lustig ist das. Erwin hat darüber nachgedacht, ob er im Aaper Wald, das sind ein paar Bäume auf Hügel am Stadtrand, eine Sprungschanze bauen lassen soll. Die Ein-Euro-Jobber könnten dann Schnee schippen. Überhaupt sollte die ganze Stadt von Ein- Euro-Jobbern gemanagt werden. Die Stadtreinigung, das Wasserwerk, der örtliche Fußballklub Fortuna, der Straßenbau, die Rheinschifffahrt. Wer braucht schon Berufe, wenn er Erwin hat. uem

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