Politik : ...es Leipziger Allerlei gibt

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Über Leipziger Allerlei ist Folgendes zu sagen: Leipzig war einmal eine sehr reiche Stadt. Im 18. Jahrhundert. Also ähnlich wie heute. Man prasste bei Tisch, zum Beispiel die sächsische Zunftpfanne. Die besteht aus gebratenem Schweinehaxenfleisch mit Schweinerückensteak, gebackenem Zwiebelring und kleinen Grillwürstchen auf Sauerkrautsockel, dazu Rahmchampignons und deftige Bratkartoffeln. Angst zu platzen hatten die Leipziger nicht.

Wohl aber fürchteten sie die königlichen Steuereintreiber. Die sahen all die üppige Pracht und erhöhten darauf den Zins. Ein Ratsschreiber ersann eine List. Man müsse all das teure Fleisch, dazu kamen auch noch die sündigen Morcheln, unter Bergen von Gemüse verstecken. Und ganz oben drauf wird nur ein kleiner Flusskrebs gelegt. Flusskrebse krabbelten seinerzeit noch en Gros durch die Pleiße. Die Steuereintreiber, schon damals von Berufs wegen gierig, würden bei Tisch von oben abgeschöpft und sich schon von selber mit Grausen und einem Vitaminschock abwenden.

Neben dem Leipziger Allerlei gibt es in Leipzig heute auch McDonald’s und Coca Cola. Nichts davon ist gut. Ein Sportwissenschaftler hat dieser Tage herausgefunden, dass die Leipziger Kinder viel zu dick sind. Manche sind sogar fett, einige wiegen fünf Kilo mehr als noch vor der Wende. Nicht die gleichen natürlich. Mädchen aus der 7. Klasse schaffen heute im Schnitt nur noch 8,2 Liegestütze. 1991, als die Dekadenz noch verführte und keinen Tribut zollte, schafften sie noch knackige 14,3 Stütze. Auf den Kalauer, dass die Mädchen von damals heute keine Stütze mehr machen, sondern nehmen, wollen wir jetzt mal verzichten. Die Leipziger Jungs sind auch nur noch Schlaffis – die Randalierer vom Vatertag müssten demnach statistisch Zugereiste gewesen sein. Leipziger Jungs schaffen nämlich nur noch 15 dieser Stütze, statt wie früher 22.

Unsere Ossis also? Dick, faul, nicht leistungsfähig, Couch-Potatoes allesamt, oder, wie man in Sachsen und Leipzig sagt: gauotsch-bodädos? Keine falschen Schlüsse. Die Sache hat auch eine gute Seite. Wieder ist ein Stück Wiedervereinigung geschafft: Die dicken Kinder von Landau waren schon Mitte der 90er Jahre auffällig. Landau liegt in der Pfalz.

Hier noch die Zutaten fürs Allerlei: Möhren, Kohlrabi, Teltower Rübchen, weißer und grüner Spargel, Zuckerschoten, Lauchzwiebeln, Blumenkohl, frische Morcheln, Salz, Pfeffer, Muskat, Flusskrebse, Dill, Suppengrün, Kümmel, Salz. Und Fleisch nur drunter, wenn Hans Eichel nicht zum Essen vorbeikommt.uem

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