Politik : … es nur ums Geld geht

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Fußball ist ein weites Feld. Günter Grass hat dieser Tage gesagt, dass der FC Bayern München unverschämt, anmaßend, hochmütig, großkotzig ist. Günter Grass, der ist doch im Wechsel Fan des FC Freiburg und des FC St. Pauli. Beide sind die Klubs der Gutmenschen, zu den Freiburgern tendieren mehr die Lehrer, zu den Paulianern eher die Punks. Bei seiner Schelte ging es Grass jedoch um Lukas Podolski vom 1. FC Köln (den der FC Bayern haben will, deswegen). Bei dem vielen, was man schlecht über die Kölner sagen kann, gehört Gutmenschlichkeit, außer bei Wolfgang Niedecken, nicht dazu. Woher die Grass’sche Solidarität mit dem, wenn überhaupt, zu Recht geknechteten 1. FC Köln kommt, ist schwer zu sagen. Vielleicht, weil Grass’ deutscher Literatur-Nobelpreisträgervorgänger, Heinrich Böll, auch Kölner war. Das wäre dann sozusagen eine postume gutmenschliche Geste.

Außerdem hat Grass gesagt, er finde die Kommerzialisierung abscheulich. Gut, dass das endlich mal jemand sagt. Immer geht es nur ums Geld im Fußball, es ist wirklich abscheulich. Längst überfällig war es, dass mal jemand den Finger in die Wunde legt. Dass es Günter Grass ist, der die widerliche Kommerzialisierung des Fußballs schonungslos anspricht und anprangert, verleiht der Kritik das gehörige Gewicht.

Denn Grass ist ja, und das dürfte wohl unstrittig sein, der FC Bayern der deutschen Literatur. Grass ist der deutsche Rekordmeisterschriftsteller. Er gewinnt auch immer, selbst wenn er auch nur furchtbar langweilig übers weite Feld trabt. Er hat immer Recht. Er ist immer da. Er ist international renommierfähig. Keiner kann ihm das Wasser reichen. Und Grass’ Nachfahren, wer sollte das sein?

Ein weites, leeres Feld. Benjamin Stuckrad-Barre und Christian Kracht ging es mal, kurz gehypt, wie Borussia Dortmund. Inzwischen sind sie mehr Waldhof Mannheim oder Hertha BSC, international unbeschriebene Blätter, national auch nicht mehr.

Grass aber. Im Buchhandel geht es um viel Geld, ja, man könnte sagen, dass es im Buchhandel fast nur noch um Kommerzialisierung geht. Günter Grass ist der Krösus des Buchmarktes, wie der FC Bayern der Krösus des Fußballmarktes ist. Günter Grass ist diese Position nicht geschenkt worden, er hat sie sich hart erarbeitet, damals als er mit Oskar Matzerath im Sturm erst reihenweise den Europapokal und reihenweise den Weltpokal holte. Jetzt, da der Fußball abgehandelt ist, erwarten wir von ihm auch ein paar politisch total korrekte Wörter zu Gasprom und der Vogelgrippe.uem

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