Politik : … Familie wieder wichtig wird

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Im Osten Indiens ist dieser Tage ein Bräutigam (vermutlich aus Vorfreude) dermaßen besoffen zu seiner eigenen Hochzeit erschienen, dass er kurzerhand durch seinen Bruder substituiert werden musste. Nach allem was man hört, verlief die anschließende Trauung weitgehend reibungslos, ein wenig ernüchtert womöglich weiblicherseits, aber so ins Detail wollen wir hier nicht gehen. Schlichtere, eventuell gar frauen- oder inderfeindliche Gemüter werden sich an dieser Stelle ohnehin mit einem Satz wie „Na Hauptsache, sie ist unter der Haube“ zufrieden geben; diesen Eindruck indes wollen wir gar nicht erst erwecken.

Was aber, wenn man die missliche Angelegenheit in der Tat einmal von so ganz anderer Seite betrachtete? Lieferte der ostindische Schwager in spe dann nicht für unsere so sehr zur Vereinzelung neigende Welt einen geradezu beispielgebend beherzten Einsatz von Stil, Verantwortung, Empathie? Eine auch interkulturell nachdenklich machende Generosität kommt da allemal zum Vorschein und die zukunftsweisende Frage steht im Raum: Müssten zarte Familienbande nicht gerade in der Öffentlichkeit viel öfter und vor allem robuster zum Einsatz kommen, auch in unseren Breitengraden?

Kurz: Hat, nur so zum Beispiel, Christoph Daum eigentlich einen Bruder? Wenn ja, dann könnten sie beim FC in Köln dieser Tage ganz normal weiter trainieren, das wäre sicher auch mal schön – und bis zum nächsten Heimspiel könnte sich der Bruder ja auch diesen daummäßigen Daum-Schnäuzer wachsen lassen, wenn das denn wirklich wichtig sein sollte.

Oder Kurt Beck, wo wir nun schon bei den Bartträgern sind. Hätte der, nun wirklich nur so zum Beispiel, gar eine Schwester zur Hand, dann könnte, bei entsprechenden Signalen von der anderen Seite der großen Koalition natürlich, doch so mancher Streit von Frau zu Frau erledigt werden. Vielleicht backt man mal gemeinsam einen Kuchen! Hat man sich dann erst auf die Zutaten für die Glasur geeinigt, ist das mit der Erbschaftsteuer bestimmt nur noch ein Klacks.

Ja, das könnte Schule machen – und wer weiß, ob es nicht ein grober Fehler war, seinerzeit die Greencard-Inder wieder vorzeitig nach Hause geschickt zu haben, allein schon hochzeitstechnisch. Wahrscheinlich stehen wir schon unmittelbar vor einer Neubewertung der Familie in ihrer gesellschaftlichen Funktion, deshalb sei hier schnell noch ein kleiner Warnhinweis angefügt. Denn das ostindische Beispiel zeigt natürlich auch eines: Jeder ist ersetzbar! Vbn

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