Politik : … George W. Bush keinen Pudel trifft

-

Pudel lassen sich leicht dressieren. Das hängt mit ihrer Intelligenz zusammen. So ein Pudel kapiert schnell, was man von ihm will. Deswegen muss er sogar manchmal im Zirkus auftreten. Dies ist der Fluch der Intelligenz: Die Dummen lässt man in Ruhe, weil sie’s eh nicht schnallen. Der Pudel verfügt über eine ausgeprägte Individualität, fast wie die Katze, aber im Gegensatz zur Katze besitzt er auch eine familiäre Ader. Die Katze ist Eigenbrötler. Der Pudel möchte beliebt sein. Deswegen macht er Männchen.

Das Wort stammt von „puddeln“, im Wasser plantschen. Pudel puddeln gern. Im „Faust“ tritt der Teufel als Pudel auf, weil der Pudel so harmlos und menschenfreundlich wirkt, eine ideale Verkleidung für den Teufel. Das Zweitschlimmste, was der Pudelrasse von Menschen je angetan wurde, fand in Paris statt. Bis in die 50er Jahre hinein wurden dort Pudel zum Säubern der Abwasserkanäle eingesetzt. Die Pudel krochen durch die engen, schmoddrigen Kanäle, dabei blieb der Dreck an ihren Locken hängen. Ein Pudel muss regelmäßig frisiert werden. Das Schlimmste, was Pudel von Menschenhand erdulden, sind die Frisuren und rosa Scheifchen, die sie von Modeschöpfern und älteren Damen verpasst bekommen.

Seit ein paar Jahren ist der Pudel als politisches Symbol aktuell, wegen Tony Blair, dem britischen Premierminister. Es heißt oft: Tony Blair, der Pudel von George W. Bush. Wenn Bush sagt: „Bring’s!“, bringt Tony Blair einen Flugzeugträger. Während der Pudel aus selbstlosen Motiven gehorcht, verspricht sich Tony Blair wahrscheinlich etwas von seiner Folgsamkeit. Er ist also gar kein echter Pudel, sondern ein Scheinpudel, wie der Pudel im „Faust“. Heute besucht Angela Merkel die USA und George Bush, in den Zeitungen werden Überlegungen darüber angestellt, wie pudel- oder unpudelhaft unsere Kanzlerin wohl auftreten mag. Wie die meisten Pudel, so musste ja auch Angela Merkel es lange ertragen, dass man über ihre Frisur eine öffentliche Diskussion führte. Andererseits sind die meisten Merkelanalysten sich darin einig, dass sie ihren Aufstieg unter anderem der Fähigkeit verdankt, sich absichtlich unterschätzen zu lassen.

Über Intelligenz von Haustieren hat besonders intensiv der Verhaltensbiologe Immanuel Birmelin geforscht. Auf die Frage, welches Haustier in seiner Intelligenz am meisten unterschätzt werde, antwortete Immanuel Birmelin in einem Interview ohne jedes Zögern: „Das Meerschweinchen.“ Wir möchten nicht uncharmant sein, aber es ist nun einmal eine verhaltensbiologischeTatsache. mrt

0 Kommentare

Neuester Kommentar