Politik : … Hans Eichel nach Geld bohrt

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Hans Eichel ist nicht Tiger Woods. Woods ist der beste Golfspieler der Welt, Eichel ist der sparsamste Bundesfinanzminister der Welt. Das Ziel eines Golfspielers ist das Loch. Das Ziel von Hans Eichel ist, das Loch zu vermeiden.

So gesehen ist Mr. Woods der Erfolgreichere von den beiden. Denn wenn Eichel heute Zeitung liest, tut sich ein riesiges Loch vor ihm auf, da steht: Es fehlen 9,6 Milliarden Euro an Steuereinnahmen allein für 2004. Und in den Kommentaren heißt es, der Bundesfinanzminister müsse dieses gigantische Steuerloch stopfen, aber hoppla! Das neue Loch ist eine Entdeckung des „Arbeitskreises Steuerschätzung“, es gibt diesen Kreis seit Konrad Adenauers Zeiten. Jahr für Jahr setzen sich Experten zusammen und schätzen … – ja, was eigentlich?

Kurt Tucholsky hat es in seiner „soziologischen Psychologie des Lochs“ so formuliert: „Das Loch ist ewiger Kompagnon des NichtLochs.“ Der Arbeitskreis schätzt also genau genommen das Nicht-Loch, vulgo: die Einnahmen. Das Loch ergibt sich dann von selbst. Für den gemeinen Steuerzahler ist dieses Procedere nicht nur philosophisch schwer zu durchdringen. Die meisten Deutschen leben in dem sicheren Gefühl, jedes Jahr mehr und mehr Steuern zu zahlen. Merkwürdig nur: Bei Eichel kommt davon weniger und weniger an. Der Minister kennt dieses Problem aus dem Haushalt. Wenn Eichel vier Socken in die Waschmaschine steckt, kommen danach nur noch drei heraus, und diese drei sind auch noch kleiner geworden.

Oder das Beispiel Pipeline. Jeder erinnert sich an die Bilder mit verrosteten russischen Röhren, durch die Öl fließt, besser: fließen sollte. Alle paar Meter ein kleines Loch, Öl dringt heraus, tropft, verschwindet. Am Anfang der Pipeline strömt viel Öl, am Ende wenig.

So ist das auch mit den Steuern. Finanzbeamte packen unser Geld in Aktentaschen und tragen sie zu Eichel. Unterwegs vergessen sie die Taschen an Bushaltestellen oder in Gartenlokalen. Regen fällt, schwemmt die Steuern weg, sie versickern. Der „AK Steuerschätzung“ schätzt, dass sich in etwa 2400 Metern Tiefe Sedimente von Steuern aus den 60er Jahren finden lassen, es handelt sich allerdings um DM-Ablagerungen. Hans Eichel will erste Steuerprobebohrungen anordnen. Da fällt einem ein: Ist nicht das tiefste aller Löcher das Bermuda-Dreieck? Liegen im karibischen Großraum nicht auch die herrlichsten Steueroasen? Sollte der Minister nicht einmal dort…? Nein? War ja nur so ’ne Idee. not

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