Politik : ... im ganzen Nahen Osten ein „Flächenbrand“ droht?

Umkämpft, zerstritten und ausgebeutet – bereits in altorientalischer Zeit gerieten Syriens Bewohner immer wieder zwischen die Mühlsteine der umliegenden Großmächte: im Osten die Assyrer und Perser, im Norden die Hethiter und Hurriter sowie im Süden die Ägypter. An diesem Schicksal hat sich auch 8000 Jahre später nichts geändert. Auch heute liegt das arabische Land im Zentrum regionaler und globaler Machtkämpfe – zwischen den sunnitischen Golfstaaten und dem schiitischen Iran, den Vereinigten Staaten und Russland, der Türkei und dem Iran, Israel und Libanons Hisbollah. So haben in dem Bürgerkrieg auf syrischem Boden viele externe Akteure ihre Hände im Spiel, befeuern die Kämpfe mit Waffenlieferungen, milliardenschweren Finanzhilfen und Militärberatern.

Vor allem drohen die beiden direkten Anrainer Libanon und Irak, deren Bevölkerung ethnisch und religiös ähnlich vielfältig zusammengesetzt ist, in den tödlichen Strudel der syrischen Katastrophe hineinzugeraten. Der Libanon ist tief gespalten in Gegner und Anhänger des syrischen Diktators. Die Hisbollah kämpft an der Seite der Assad-Truppen, während radikale sunnitische Scheichs in Tripoli und Sidon ihre Anhänger zum Heiligen Krieg gegen den Machthaber in Damaskus aufrufen. Im Irak dreht sich die Spirale der Gewalt inzwischen wieder so heftig, wie seit den dunklen Jahren des Bürgerkriegs 2006 und 2007 nicht mehr. Jeden Tag erschüttern neue Attentatsserien das Land. Im April vereinigten sich die Al-QaidaVerbände von Irak und Syrien zum „Islamischen Staat im Irak und in der Levante“. Der kürzlich ausgeschiedene UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Martin Kobler, bilanziert: „Die Schlachtfelder wachsen zusammen.“

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