Politik : ... in der Region die Zukunft der Christen auf dem Spiel steht?

An Warnungen herrscht kein Mangel. Ein Militärschlag gegen die syrische Regierung wäre „fatal für die einheimischen Christen“, heißt es zum Beispiel in einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Brief des Weltrats der Aramäer. Und der assyrische Erzdiakon Emanuel Youkhana betont, von einem möglichen Bombardement würden nur die Fanatiker unter den Rebellen profitieren. Er meint damit Dschihadisten. Die machen nach Angaben von Experten mehr oder weniger gezielt Jagd auf Syriens Christen. Diese werden aber immer häufiger ebenfalls Opfer der Truppen von Assad. Der Grund: Die Konfliktparteien werfen den Christen vor, sie würden mit dem jeweiligen Gegner zusammenarbeiten. Mehrere hunderttausend Christen sollen aus Angst vor Gewalt bereits auf der Flucht sein. Kirchliche Hilfswerke sehen denn auch die Gefahr eines Exodus aus Syrien, wo vor Bürgerkriegsbeginn schätzungsweise 1,9 Millionen Christen lebten. Der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, sagt sogar: Es gebe keine Hoffnung mehr, dass das Land zu einem friedlichen Zusammenleben der Religionen zurückkehren werde.

Den Christen wird jetzt auch zum Verhängnis, dass sie lange Zeit vom laizistischen Kurs der alawitischen Assad-Familie profitierten. Denn das macht sie vor allem in den Augen islamistischer Rebellen zu Parteigängern des Machthabers. Und die müsse man bekämpfen – als Kollaborateure und „Ungläubige“. Fachleute halten diesen pauschalen Vorwurf allerdings für unzutreffend. Schon frühzeitig hätten Kirchenvertreter eklatante Menschenrechtsverstöße der syrischen Regierung kritisiert. Einige christliche Intellektuelle zählen zudem zu den aktiven Unterstützern der Opposition. Was wiederum Repressalien regimetreuer Truppen gegen christliche Gemeinden zur Folge hatte. So bewegen sich die Anhänger Jesu nicht über den Parteien, sondern zwischen den Fronten. Und das in Syrien, der Wiege des Christentums. Eine bedrohliche Situation. Vor allem, weil auch in anderen arabischen Staaten, zum Beispiel in Ägypten, Christen immer häufiger für Missstände verantwortlich gemacht werden. Und als Sündenböcke herhalten müssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben