Politik : … in Italien die Liebe mobil machte

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Warum sind große Männer groß? Weil ihnen, wie es so schön heißt, nichts Menschliches fremd ist. Und da das Menschliche naturgemäß alles Zeitliche überdauert, vom Neandertalerpelz zum Cybersex, ist auch die Größe großer Männer ewig. Leonardo zum Beispiel. Vom Leben hart angefasst, unehelich geboren, der leiblichen Mutter entrissen, einer garstigen Stiefmutter anvertraut, vom Lateinunterricht ausgeschlossen, der Sodomie bezichtigt – malte er trotzdem die Mona Lisa. Und die Heilige Anna Selbdritt. Und andere Frauen. Schob also alles andere als einen Mütterkomplex, sondern sezierte – begnadeter Anatom, der er obendrein war – emsig den ersten Embryo im Uterus und ward noch als 60Jähriger gesehen, wie er unter Hintanstellung sämtlicher Traumata des Nachts auf dem Mailänder Friedhof mit Vorliebe an leichenfrischen weiblichen Schädeln und Innereien herumsäbelte.

Leonardo aber heißt Leonardo da Vinci, weil er aus der Nähe von Vinci in der Toskana stammt. Manchmal muss man sich die einfachen Dinge des Lebens eben nur richtig vor Augen halten. Das hat sich jetzt auch Giancarlo Faenzi gesagt, der Bürgermeister von Vinci, haute mit der Faust auf den Tisch und verordnete 88 Prozent der Bewohner seines Städtchens einen „Liebespark“. Exakt 88 Prozent aller Italiener nämlich hatten schon einmal Sex im Auto, wobei der statistische Anteil der Generation „Ledig, männlich, 30 plus“ Besorgnis erregend hoch ist – und warum sollte das in Vinci/Toskana anders sein. Nur weil Leonardo hier geboren wurde und die Welt bis heute glaubt, Größe und Triebe, holde Kunst und dreckiges Gelüst schlössen sich aus?

Geschenkt. Vinci also, ein, wie Bürgermeister Faenzi betont, „hässliches“ Gelände am Stadtrand, welches nun mit Romantik-Lichtanlage, mit Blumenkübeln und Papierkörben für Präservative verschönert wird. Hier parken Männlein wie Weiblein zur Verrichtung ihrer erotischen Notdurft, Alfa Spider an Alfa Spider. Der 30-plus-Italiener nämlich lebt in beengten räumlichen Verhältnissen, am liebsten bei Mama. Die tut alles für ihn, putzt und wäscht und kocht und flickt. Nur wenn den alternden Sprössling in Gestalt einer 17-jährigen Lolita der Leonardo ankömmt, streikt sie. Da ist die Tür, schreit sie dann, draußen steht dein Cinquecento (sic!). Wie gut, dass es Bürgermeister gibt.

Leonardo da Vinci übrigens glaubte, dass die Menschheit alsbald von einer riesigen Sintflut verschlungen werden würde. Hier irrte der Große. Aber die nächste Sündflut kommt bestimmt. Le.

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