Politik : ... in Syrien ein Stellvertreterkrieg tobt?

Falls dies ein Stellvertreterkrieg ist, dann nicht mehr wie in Zeiten des Kalten Kriegs. Damals unterstützten die USA, die Sowjetunion und China menschenverachtende Regime nach dem Muster: Sie sind Schurken, aber es sind unsere Schurken. Die entscheidende Frage war, auf welcher Seite diese Schurken im ideologischen Konflikt standen und ob man mit ihrer Unterstützung das andere Lager schwächen konnte.

Angesichts der inneren Konflikte in den arabischen Ländern verhalten sich die USA anders. Nur ganz zu Beginn des Aufbegehrens schwankten sie, ob sie sich im Namen der Freiheit auf die Seite der Protestbewegungen oder aus alter Loyalität, zum Beispiel zu Ägyptens Mubarak, auf die Seite der Regierung stellen sollten. Bald jedoch gewann ein anderes Motiv an Gewicht: die Gefahr, dass radikalislamische Kräfte zu viel Einfluss in den Oppositionsbewegungen gewinnen. Deshalb hielt Amerika sich zurück. In Libyen war die zögerliche Haltung Obamas offenkundig, als Frankreich und Großbritannien die militärische Intervention aus der Luft zum Sturz Gaddafis forderten.

Auch Russland hat sein Verhalten geändert. Es kalkuliert seine Machtinteressen in jedem Fall individuell. In Afghanistan hat Moskau nicht jede Gelegenheit genutzt, um den USA zusätzliche Probleme zu bereiten, sondern mit Nachschubwegen ausgeholfen, wenn Pakistan Schwierigkeiten machte. Auch in Syrien ist nicht die Schwächung Amerikas das oberste Ziel der Russen. Moskau verfolgt freilich handfeste Eigeninteressen und stützt Assad, weil er der einzige verbliebene Bundesgenosse in der Region ist.

Ein Stellvertreterkrieg ist der Konflikt dagegen für radikalislamische Bewegungen wie Al Qaida oder die Hisbollah, aber auch für den Iran. Überall in der Welt wollen sie Regime, die nicht ihrer jeweiligen Interpretation des Islam anhängen, stürzen. Oft ist ihnen dieses Ziel allem Anschein noch sogar noch wichtiger als der Kampf gegen den angeblichen „Satan“ USA.

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