Politik : ... Israel eigene Interessen verfolgt?

Die Abwehrraketen sind in Stellung gebracht. Ein Teil der Reservisten befindet sich in Alarmbereitschaft. Und wer sich als Bürger bedroht fühlt, hat sich eine Gasmaske besorgt. Alles übertrieben und hysterisch? Vielleicht. Aber der jüdische Staat geht nun mal gerne auf Nummer sicher. Das Selbstverständnis einer allzeit wehrhaften Nation gebietet es, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Wer kann im Moment schon kategorisch ausschließen, dass die USA nicht doch noch militärisch in Syrien intervenieren, sollte mit Blick auf die Chemiewaffen die Diplomatie scheitern? Israels Regierung will daher auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Sei es, dass Machthaber Assad als Antwort auf amerikanische Angriffe seine Raketen in Richtung Tel Aviv oder Haifa abfeuert. Oder die mit ihm verbündete Hisbollah den verhassten „Zionisten“ den Krieg erklärt.

Beides halten israelische Experten und Regierungsverantwortliche allerdings für eher unwahrscheinlich. Sowohl die Schiitenmiliz als auch der Herrscher in Damaskus wüssten ganz genau, dass Jerusalem mit ganzer Härte auf derartige Attacken reagieren würde. Israel wiederum hat kein Interesse, den Konflikt in Syrien zu verschärfen. Dementsprechend hält man sich bewusst mit Stellungnahmen zurück und damit aus dem Bürgerkrieg heraus. Das hat vielerlei Gründe. Einer heißt Assad. Den Autokraten, der auf sein Volk schießen lässt, hält man in Jerusalem fraglos für einen verachtenswerten Schurken. Aber auf ihn war in den vergangenen Jahren in der Regel Verlass. Die Grenze zu Syrien auf dem Golan gehörte jahrzehntelang zu den sichersten.

In Israel fürchtet man jedoch, dass nach einem Sturz Assads radikale Islamisten die Macht an sich reißen oder Syrien völlig auseinanderbricht. Eine Art Somalia mit erklärten Judenfeinden vor der eigenen Haustür? Ein Horrorszenario für Israel. Ebenso wie die Vorstellung, militante Fundamentalisten gelangen in den Besitz von Chemiewaffen. Das könnte nämlich aus Jerusalems Sicht das Gleichgewicht der Abschreckung zuungunsten des jüdischen Staates verändern – was keinesfalls hinnehmbar wäre. Deshalb haben israelische Kampfjets bereits mehrfach Waffentransporte, von denen aller Wahrscheinlichkeit nach die Hisbollah profitieren sollte, in Syrien angegriffen. Vorsichtshalber und aus ureigenstem Interesse.

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