Politik : … jeder von jedem lernt

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Dass der handwerklich durchaus begabte Kurt Beck die aus den Fugen geratene Welt nicht an einem Tag wird kitten können – nun, das hat im Ernst auch keiner von ihm erwartet. Immerhin, Beck hat von seiner jüngsten Bildungsreise nach Afghanistan für die Daheimgebliebenen etwas zur allgemeinen Horizonterweiterung mitgebracht: den „gemäßigten Taliban“ nämlich.

Natürlich nicht in Natura, bitte, da hätte es gleich nur wieder mächtig Ärger gegeben mit dem Zoll oder mit der Union. Vorerst ist das also nur ein Begriff, aber auch der will einstweilen mit Leben gefüllt werden, bis dann der Taliban mit Haut und recht viel Haaren in seiner moderaten Ausführung irgendwann tatsächlich mal vor unserer Tür steht, mutmaßlich beide Hände aufhaltend, damit er sich nicht doch noch auf den letzten Meter radikalisiert.

So oder ähnlich wird es also kommen und bis dahin ist die Definitionsschlacht eröffnet, was denn das nun genau sei, ein „gemäßigter Taliban“ – einer, der nicht gleich mit seiner Stinger auf einen zielt, wenn man vorsichtig andeutet, dass die Zahl der Krippenplätze in Afghanistan wohl erst im Jahr 2013 auf einem für Kleinfamilien akzeptablen Level sein wird? Oder einer, der in seiner Jugend auch schon mal John Lennon gehört hat – „Give peace a chance“? So irgendwo dazwischen.

Lebenslanges voneinander Lernen über alle interkulturellen Grenzen hinweg – das scheint derzeit der letzte Schrei zu sein. Gerne nehmen wir in unseren täglich dicker werdenden Katalog von einschlägigen Beispielen auch noch den Rat jenes britischen Generals auf, der jüngst Piloten der Royal Air Force dazu anregte, zu überlegen, ob es im Fall eines Falles nicht vernünftig sei, sich mit dem eigenen Flugzeug kamikazemäßig auf, beispielsweise, Taliban zu stürzen.

Nun gut, von „gemäßigt“, war in diesem Zusammenhang nicht die Rede. Das Szenario des Generals drehte sich eher um die Bekämpfung von in sinistrer Absicht daherkommenden Terroristen, wobei (alles nur theoretisch, natürlich!) im entscheidenden Moment die eigenen Waffen versagten. Wahrscheinlich denkt in solch einer Situation schon mal der eine oder andere: Na gut, dann mach ich halt den Mohammed Atta …

Interessanter ist, wie solche fast zeitgleich auf den Nachrichtenmarkt kommenden Botschaften im fernen Afghanistan wirken. Differenziert der Taliban? Wird er womöglich ganz konfus? Oder kramt er – lebenslanges Lernen! – die alte Indianerweisheit hervor: Der weiße Mann spricht mit gespaltener Zunge! Vbn

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