Politik : ... Klinsmann Berliner wird

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Wir reden ja viel über die Angleichung der Lebensverhältnisse und warum es sie geben soll oder auch nicht. In München scheint deshalb bereits eine gewisse Panik auszubrechen – anscheinend fürchten sie dort, strikt nach unten angeglichen zu werden. Jürgen Klopp, der Trainer des FSV Mainz, äußert sich bereits in dieser Richtung: „Mainz ist geiler als Bayern.“ Vorerst nur Mainz, na gut. Aber Mainz könnte der Anfang einer Entwicklung mit katastrophalen Konsequenzen für die bayerische Hauptstadt sein: BilligDöner auf dem Viktualienmarkt! Verdünntes Radeberger auf dem Oktoberfest! Soljanka bei Käfer! München leuchtet? Bald nur noch mit der Kraft einer erschöpften Energiesparlampe.

Doch die Angleichung geht womöglich weiter. Wir sagen nur: Berlin. Jürgen Klinsmann hat München jetzt die Perspektive für 2006 gewiesen. Sie besteht darin, dass er seine Jungs nicht zum Eröffnungsspiel nach München schicken will, das dann, gähn, von den üblichen Brasilianern bestritten wird, womöglich gegen die transsylvanische B-Auswahl – und drei Tage später verströmen die Deutschen in Berlin ihren vollen spielerischen Glanz. „München“, werden die Chefs in der ganzen Welt dann sagen, „München, das bringt es ja nun nicht mehr, buchen Sie den ganzen Kram mal rasch auf Berlin um, Frau Müller.“

Aber auch Leverkusen, eine Art München im ewigen Wartestand, hat die Klinsmann-Wut, weil der Trainer die Mannschaft zur WM nicht dort unterbringen will. Und das, obwohl sich doch Reiner Calmund dunkel daran erinnert, mal eine solche Verabredung nach der vierten Kalbshaxe ins Gespräch gebracht zu haben; es kann allerdings auch die fünfte gewesen sein. Heute, beim Spiel der Champions League, werden die Eingeborenen es ihn spüren lassen.

Doch was ist Leverkusen? Klinsmann ist nicht angetreten, nur den deutschen Fußball oder, in Gottes Namen, den DFB zu revolutionieren. Er möchte vielmehr ganz Deutschland vom Kopf auf die Füße stellen, möchte realisieren, was Horst Köhler nur ganz vorsichtig andeutet. Die Großen im Süden greinen schon ahnungsvoll, Franz Beckenbauer, den sie einst den Kaiser nannten, und Paul Breitner, der in München weltberühmte Grummelkopf, der mal beinahe gefragt wurde, ob er Bundestrainer werden wolle.

Allmählich wird klarer, worauf Klinsmann hinauswill. Es geht um Berlin, das Olympiastadion, die Präsidentensuite im Grand Hyatt, solche Sachen. Und vor allem um das Endspiel. Es reicht, denkt Klinsmann, wenn die Deutschen zum Endspiel ins Turnier eingreifen. Und das tun sie nicht in München. Denn Berlin ist irgendwie geiler. bm

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