Politik : ... Malta Größe zeigt

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Dass Malta mal mit einem Schlag größer werden würde, als es jahrhundertelang war, das hätte man auch nicht gedacht, schon gar nicht in Zeiten des Klimawandels. Ganze Inselgruppen neigen ja mittlerweile eher zum Versinken, bröckeln mehr oder weniger klaglos vor sich hin und verlieren Sandkorn für Sandkorn ihrer Substanz an die ewig heranrollende See. Normalerweise bedarf es schon aufwändiger Poldermodelle zur Landgewinnung – ob die auf Dauer was taugen, wissen wahrscheinlich nicht mal unsere im Deichbau geübten niederländischen Freunde.

Malta, bitte, ist in dieser Hinsicht auch nicht besonders auffällig geworden, was man im Prinzip für den Inselstaat ganz generell sagen kann, wenn er nicht gerade im European Song Contest als einziges Land zwölf Punkte an eine hoffnungslos vor sich hin dilettierende Hupfdohlengruppe aus Großbritannien vergibt. Mit Musikgeschmack kann das, bei allem Respekt, nichts zu tun gehabt haben, mit alten Verbindungen sehr wohl. Die aber werden demnächst gelockert – jedenfalls auf einem Gebiet, das einigermaßen symbolträchtig ist: Es geht ums liebe Geld.

Anfang Januar nächsten Jahres wird der Inselstaat mutmaßlich das gute alte „Maltesische Pfund“ gegen den Euro eintauschen, was sich womöglich auf das Abstimmungsverhalten in künftigen Schlagerwettbewerben auswirken wird, ganz sicher aber auf die Wahrnehmung Maltas selbst.

Kleine Staaten neigen, wie kleine Männer auch, dazu, sich beständig größer machen zu wollen. Aus der Kulturgeschichte Liechtensteins ist beispielsweise bekannt, dass dort über Jahrhunderte hinweg nichts schmerzlicher empfunden wurde, als der einst von einem Wandersmann achtlos dahergesagte Satz: „Wanderer, kommst du nach Liechtenstein – tritt nicht daneben, tritt mittenrein!“ In Malta könnten sie bestimmt ähnliche traurige Lieder singen, wenn sich beizeiten nur ein geeigneter Reim auf -alta gefunden hätte. Es gibt aber keinen.

Jedenfalls soll nun der Euro kommen. Und weil auf den schicken Euromünzen auch jedes Euro-Land verewigt werden soll, muss beim Maßstab ein wenig geflunkert werden, sonst hätte es nur zu einem allenfalls mit dem Mikroskop zu erkennenden Punkt gereicht. Zum Selbstbewusstsein trägt so etwas nicht gerade bei. Malta wird deshalb im Verhältnis zu den anderen Euro-Staaten auf etwa das Siebenfache seiner Ursprungsgröße aufgepumpt, es hat dann ungefähr die Größe Korsikas und ist gerade so zu erkennen.

Dass in Russland der Rubel noch lange rollen möge, ist unter dem Gesichtspunkt der Maßstabstreue wirklich zu wünschen. Von Malta aber lernen wir: Es gibt nichts Kleines im Großen! Vbn

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