Politik : … Nierensteine Not lindern

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In unserem Lexikon der Gegenwart nehmen wir heute den Begriff „Charity“ durch, der das schöne Wort Wohltätigkeit abgelöst hat. Echte Charity setzt in der Regel eine Veranstaltung voraus, die auf neudeutsch „Event“ heißt. Deren Funktionsweise ist schlicht: Der Veranstalter beschwatzt irgendwelche Prominenten, in Abendkleidung zu erscheinen; andere Gäste zahlen Geld dafür, diese Prominenten sehen zu dürfen, und dieses Geld wird nach Abzug der Verwaltungs- und Bewirtungskosten an die gemeinnützige Organisation „Puppenküchen für Grünwald“ überwiesen. Beispielsweise. Hoffentlich.

Diese Veranstaltungen sind deshalb so beliebt, weil sie das Unangenehme mit dem Nutzlosen perfekt verbinden. Die Prominenten zeigen ihr soziales Gewissen, erkaufen sich so das Recht, in aller Öffentlichkeit zu prassen und Werbung für sich zu machen, und es kostet sie praktisch nix, denn die Roben stellt ja der Couturier. Das Prinzip funktioniert in Oer-Erkenschwick ebenso wie in Londonparisnewyork, und wer es am virtuosesten beherrscht, kann sich am Ende selbst aussuchen, ob er UN-Generalsekretär werden will oder lieber Rockstar bleibt.

Diese Ziele sind für William Shatner, zugegeben, beide etwas hoch gesteckt. Shatner, als Käpt’n Kirk unvergessen, hatte sich am Abend seiner Karriere zunächst daran versucht, die Beatles-Nummer „Lucy in the sky with diamonds“ würdig neu einzusprechen – aber das Resultat wurde von Experten zutreffend als grottenschlechteste Coverversion aller Zeiten verhöhnt; seine später erschienene CD „Has been“ erinnerte an den Gesang eines Schabrackentapirs mit Nierenkoliken.

Nein! Das war jetzt nicht allzu weit hergeholt, denn Shatner wurde tatsächlich von starken Schmerzen im Rückenbereich gequält. Kürzlich aber sagte es „klonk!“ im Klo, der Nierenstein war draußen – und damit auch ein völlig neuer Charity-Ansatz geboren. Denn ein Nierenstein ist zwar generell absolut nutzlos, aber dies hier war Shatners, ach was: Kirks Stein. Irgendjemand würde dieses Ding doch bestimmt haben wollen und dafür sogar Geld bezahlen, nicht wahr? Nicht einmal eine komplizierte Gala war notwendig, denn der Charity-Profi versteigert längst online: Jemand hat jetzt 25 000 Dollar für den Stein überwiesen. Bald sollen mit dem Geld Hütten in Krisengebieten gezimmert werden.

Also, Wohltäter: rein ins Internet. Nierensteine sind ja eher Zufall, aber abgeschnittene Zehennägel von Jenny Elvers oder überzählige Silikonpolster von Tatjana Gsell tun es genauso. Und wenn dann Cora Schumacher noch ihren Glitzer-Flitzer-Blingling-Tick in Pink abliefert, dann ist die Welt praktisch gerettet. Und alles nur durch Charity. bm

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