Politik : ...Nikolaus in die EU will

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Heute fällt die Entscheidung oder, um es ein klein wenig weltläufiger zu formulieren: Heute wird in Sachen Türkei der Gördes Dügümü zerschlagen. Wie bitte, Sie wissen nicht, was der Gördes Dügümü ist, und überhaupt war Ihnen unter den Umlauten das „ü“ vielleicht schon immer suspekt („Drü Chünüsün müt düm Küntrübüss“) – dieses unvermeidliche Spitzen der Lippen wie zum Küssen, dieses Inbild eines flüchtigen, unzüchtigen Buchstabens? Ja, dann haben die Frau Merkel und der Herr Stoiber wohl Recht, wenn sie sagen, es gehe in Sachen Türkei vor allem um die EU. Denn wenn – leicht verkürzt – die EU schon nicht weiß, was ein DingsdaDügümü ist, dann weiß sie totsicher auch nicht, was sich hinter der Ülkücülük-Bewegung verbirgt. Und wenn sie das nicht weiß und obendrein eine Allergie gegen Ü-Wörter hat, dann ist sie eben einfach noch nicht reif, die EU. Dass die europäischen Staats- und Regierungschefs ausgerechnet in Brühüsssel über dem Problem brühüten, hat sich als Desensibilisierungsmaßnahme bislang offenbar als wenig hühühülfreich erwiesen. Hatschü.

Also: Der Gördes Dügümü ist der gordische Knoten. Jenes kunstvolle antike Strickbündel nämlich soll Alexander der Große 333 v.Chr. unweit Ankaras entzwei gehauen haben. Und die Ülkücülüküsten, das sind die Nationalisten. Jetzt weiß man mal wieder, dass man nix weiß, schon gar nicht über unsere Brüder und Schwüstern drüben am Büspürüs. Dabei ist uns viel türkischer zumute, als wir denken. Nicht nur, dass Noah seine Arche bekanntermaßen am Berg Ararat parkte, der in Anatolien liegt, nein, auch der erste Mensch, der fliegen konnte, war von eindeutig türkischer Geburt: Mit zwei Flügeln hüpfte Gazanfer Celebi im 17. Jahrhundert vom Istanbuler Galata-Turm hinüber nach Üsküdar. Und da reden wir hier über den Schneider von Ulm.

Was uns allerdings wirklich erblassen macht, ist die Tatsache, dass der Heilige Nikolaus in Demre geboren wurde und daselbst, nahe Antalya am azurblauen Mittelmeer gelegen, als Bischof wirkte, wo er die Töchter mittelloser Bürger regelmäßig mit feinen Mitgiften erfreute – eine Sitte, die sich bis heute in unseren Festtagsbräuchen niederschlägt. Wie aber haben wir uns das vorzustellen? Krampus mit dem Dönerspieß, pardon, Krümpüs müt düm Dünerspüß? Stülle Nücht, hülügü Nücht? Schleier statt Lametta? Und Maria, die barmende Mutter Gottes, vielleicht gar früh zwangsverehelicht?

Tief im Herzen, Sie merken es, liebe mächtige Staats- und Regierungschefs im fernen Brüssül, sind wir längst alle Gesinnungstürken. Geben Sie sich also einen Rück. „Dür Tüg ün düm ...“ wünscht jedenfalls schon einmal: Türkische Weihnachten! Le.

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