Politik : … nur noch das Plankton bleibt

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Es ist immer wieder fantastisch zu sehen, was es auf dieser Welt alles gibt. Erst kürzlich wurde in den Schwarzwasser-Torfmooren Indonesiens beispielsweise der Paedocypris progenetica entdeckt, ein Minifisch, Pi mal Daumen acht Millimeter groß. Voll ausgestreckt hat er bequem auf einer Briefmarke Platz. Kleiner ist keiner!

Nach allem was man bislang über ihn weiß, handelt es sich um ein äußerst genügsames, eher unauffälliges Tier, das im Alltag nicht gerade dazu neigt, viel Aufhebens von sich zu machen. Er isst gerne Plankton, gut. Aber auch das nur deshalb, weil es in den stark sauren Tümpeln in Indonesiens Sümpfen sowieso kaum etwas anderes zu fressen gibt. Der Paedocypris progenetica ist, wenn man so will, ein echter Kürzertreter, rechtzeitig entdeckt zu einer Zeit, in der wir doch alle den Gürtel enger schnallen müssen, nicht wahr? Schön?

Wäre die Welt ärmer ohne ihn, jetzt, da sie weiß, dass er auf ihr so bescheiden mittut? Nun, das sind die Fragen, die man sich nicht nur stellt, wenn man in Indonesiens Sümpfen im Trüben fischt. Beruhigend, irgendwie, ist es schon, dass da offenkundig noch ganze Gattungen im Verborgenen gedeihen können, ohne dass die CIA, der BND oder sonst irgendein Überwachungsverein auch nur die leiseste Ahnung von ihrer Existenz hat. Einerseits.

Andererseits: Es ist auch unheimlich. Eine Schattenexistenz in einer Parallelwelt wurde da aufgestöbert – möglicherweise zu nichts anderem fähig, als unsereinem vor Augen zu führen, dass es auch eine Nummer kleiner geht, bescheidener. Reduktion, das ist die Botschaft des Paedocypris progenetica: Platz ist auch auf der kleinsten Briefmarke, man muss sich dafür nicht mal das Rückgrat verbiegen!

Wie geht es nun weiter? Ab ins Guinness-Buch der Rekorde mit dem P. p., natürlich. Als kleinstes Wirbeltier der Welt wird er dort geführt, 0,4 Millimeter winziger immerhin als der bisherige Rekordhalter Schindleria brevipinguis, ein kleiner Korallenfisch, der es auf stolze 8,4 Millimeter bringt – zu lang für unsere Guinnesswelt. Nur, was dann? Sind die Tage des Rekords nicht sowieso gezählt, bis wahrscheinlich in irgendeiner angolanischen Pfütze ein gelangweilter Landarbeiter über den nächsten Wirbeltierzwerg stolpert? Sieben Millimeter, sechs, fünf … Bald taugt der Paedocypris progenetica nur noch als Vergleichsgröße – und dann bleibt nur, was immer blieb: das Plankton. Vbn

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