Politik : … Ronnies Mythos bebt

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Es ist kein guter Tag für Ronald Biggs. Liegt im Belmarsh-Gefängnis in London, gehen kann er nicht mehr, man ließe ihn auch nicht. Sprechen kann er auch nicht nach seinen Schlaganfällen. Eigentlich wollte er noch auf ein Bier in den Margate Pub vor dem großen Abgang, aber da lässt man ihn auch nicht hin. Und dann noch diese Nachricht: Bewaffnete Räuber haben in Tonbridge in Kent etwa 50 Millionen Euro erbeutet, es kann sogar ein bisschen mehr sein. Man zählt noch. Die Polizei spricht vom Coup eines Superhirns, sie spricht vom größten Geldraub Großbritanniens. Ja. Aber war nicht er, Ronnie Biggs, the man, König der Diebe, der legendärste aller 15 Postzugräuber, der Gentleman, der zur Kasse bat? Streng genommen käme Biggs 2029 raus, aber da wird wohl der große Abgang vor sein, 76 Jahre alt ist Biggs, und schwer krank.

Das muss doch nicht sein, dass da ein paar Parvenüs daherkommen und Ronnie Biggs so kurz vor Toreschluss auch noch den Mythos rauben. Hätten die Herren nicht ein wenig warten können? Wo bleibt die Ganovenehre?

Es war sein 34. Geburtstag, als Ronnie Biggs und Bruce, das „Hirn“, Charlie, der „Schweiger“, Roy, genannt „das Wiesel“ und all die anderen morgens um 3.10 Uhr den königlichen Postzug von Glasgow nach London stoppten, ihn abkoppelten, mit ihm davonfuhren und anschließend um 2,63 Millionen Pfund reicher waren. Es war etwas schief gelaufen, der Lokführer musste mit der Kohlenschaufel niedergeschlagen werden, aber das hat dem späteren Ruf als gute Gauner mit Berufsethos nicht geschadet.

Dergleichen bewunderte Diebe hat es immer gegeben, populäre Verbrecher, bei denen das Wort Verbrechen nicht so recht passen will. Auch die jetzigen Räuber sind ohne Gewalt ausgekommen. Da ist man dann schnell bereit, in ihnen ein bisschen Robin Hood zu sehen, Rififi und Thomas Crown ist nicht zu fassen. Fast neidet man ihnen ihren Job. Bei moralischen Bedenken hilft Bert Brecht: „Was ist ein Banküberfall gegen die Gründung einer Bank.“

Ronald Biggs, verblasster Mythos. Und nirgendwo Hilfe? Wie gesagt: Noch steht die exakte Summe von Kent nicht fest. Für einen britisch fairen Vergleich muss man schon die Kaufkraft von anno dunnemals mit der Neuzeit abgleichen. Umsichtige Briten haben das natürlich längst getan. Was Ronnie Biggs und Kollegen seinerzeit der Krone abnahmen, entspräche heute der stolzen Summe von etwa 50 Millionen Euro. Könnte knapp werden, aber gerade so für den Sieg reichen. Oh, Britannia, Ronnie rules the robbery!uem

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