Politik : … Schweinfurt im Sumpf landete

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Sagen wir es ganz neutral: Die Vorfälle der letzten Zeit haben zu einer gewissen Sensibilisierung in Sachen Religion geführt. Das Thema ist innerhalb weniger Tage voll auf die Günter-Grass-Ebene gerauscht, und der Dichter, ganz in seiner Glanzrolle als Ein-Mann-Lichterkette aufgegangen, liest uns Pressemenschen in einer unkontaminierten spanischen Zeitung die Leviten: Wir sollten uns nun mal bloß nicht hinter der sog. Pressefreiheit verschanzen.

Die Dänen, das folgt daraus, sind also selbst schuld. Frage an uns Deutsche: Wollen wir auch Schuld auf uns laden? Wer jetzt einfach „Nein, bloß nicht!“ ruft, der übersieht, wie leicht Schuld entsteht, wo sie niemand vermuten würde, nicht einmal unser Blechtrommel-Taliban. Schweinfurt!

Das ist eine kleine fränkische Industriestadt, deren Bewohner niemandem etwas Böses wollen. Doch nun stehen die tunesischen Fußballer vor der Tür, weil sie im Mercure-Hotel auf der Maininsel ihr WM-Quartier aufschlagen wollen. Und die Bürgermeisterin wurde von ihnen gefragt: Wieso eigentlich Schweinfurt? Und ob man denn muslimischen Sportlern zumuten wolle, in den Mauern einer Stadt zu übernachten, die den Namen des unreinsten aller Tiere stolz vor sich her trägt? Die Bürgermeisterin konnte sich, wie sie jetzt berichtete, mit etymologischen Spezialkenntnissen aus der Affäre ziehen und darauf hinweisen, der Name habe nichts mit dem Tier zu tun, sondern leite sich von einem alten Wort für Sumpf ab – das war dann rein genug. Und dass der Küchenchef versehentlich mit einem Stück Schwein im Topf für ein offizielles Foto posierte, wurde gerade noch rechtzeitig entdeckt.

Tunesien, puh. Die Iraner hätten der Stadt vermutlich mit Auslöschung gedroht. . . Moment! Nein, die Iraner steigen zur WM in Friedrichshafen ab, das dürfte den sehr empfindlichen iranischen Staatspräsidenten zufrieden stellen; sogar die nächste Kirchstraße ist zwei Dörfer weiter.

Allerdings: Ein Spiel Deutschland – Iran wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Bastian Schweinsteiger im Sturm, oh je: Würde er dem gegnerischen Team auch so flink was vom Sumpf erzählen können? Am besten wäre wohl, er zieht sich vorher eine diplomatische Adduktorenzerrung zu. Oder heiratet umgehend und gibt seinen provozierenden Namen vorsorglich auf. Das wäre eine Lösung, die vermutlich sogar den Beifall unseres Literaturfürsten finden würde. bm

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