Politik : … sich Tarzan bis zur Südsee schwingt

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Morgen ist der 100. Geburtstag von Johnny Weissmueller. Da der Tarzan aller Tarzans in den Medien aber noch gebührend gewürdigt werden wird, schwingen wir uns an langer Liane zu einem anderen Thema hinüber. Zur Freiheit zum Beispiel. Oder auf die nächste Insel, denn, Hand aufs Herz, ist Deutschland nicht längst reif dafür, und hängt nicht jedes mit allem zusammen, und ist, ergo, die Freiheit nicht auch eine Insel, das Eiland unserer verderblichsten Hoffnungen, eine Südsee, ein Jane gewordenes Utopia im Weltgetümmel?

Die Deutschen wissen dies seit 1900, als sie WestSamoa zu ihrer kolonialen Schutzzone erklärten. Wie? Was? Finger auf die Landkarte, patsch, Polynesien ist unser, raus aus dem Vatermörder, rein ins Bambusröckchen und ab die Post? Mitnichten. 1865 bereits wurde auf West-Samoa die erste ordentliche deutsche Kokosplantage beurkundet, und 1887 machte ein Orkan aus den Kreuzern S.M.S. Adler und S.M.S. Eber Kleinholz, indem er sie nahe der Hauptstadt Apia auf ein Riff warf. Solche Schicksalsschläge schweißen zusammen, zumal das Maß an Arbeit, mit dem der Samoaner auskommt, wie eine Postille anno dunnemal berichtete, „überhaupt sehr gering“ sei. Die Jungs hatten also gar nichts anderes zu tun, als blonde, blauäugige Schiffbrüchige zu balsamieren. Und die Deutschen dankten mit dem, was sie am besten können, äh, konnten: mit Ausbildung. Fita-Fita, die Eingeborenen-Eingreiftruppe, galt als äußerst schlagkräftig.

14 Jahre währte diese Idylle. Klar, dass die Briten sich einmischen mussten, schließlich hatte Stevenson auf Samoa „Die Schatzinsel“ geschrieben. Unsere schönste Kolonie ging also erst an Neuseeland und dann, 1961, in die Unabhängigkeit. Deshalb ist in Deutsch-Samoa heute Nationalfeiertag. Nur geringfügig älter ist der SFB, der um 4.55 Uhr vor 50 Jahren mit dem Läuten der Berliner Freiheitsglocke am Schöneberger Rathaus seinen Sendebetrieb aufnahm. Die Glocke aber, von der britischen (!) Firma Gillert&Johnston gegossen, besaß einen defekten „Gegengewichtsklöppler“, weshalb sie alsbald einen 1,28 m langen Riss aufwies und zur Reparatur nach Bayern (!) musste. Sabotage, ganz klar. Wenigstens durfte sie noch zur Deutschen Einheit läuten, wofür wir besonders im Namen unserer west-samoanischen Freunde dankbar sein sollten: Samoa nämlich ist geteilt, und Ost-Samoa („American-Samoa“) gehört bis heute zu den USA, wo wiederum Johnny Weissmueller ... Uäääh-uäh-uäh-uäh-uäh- uäh-uäääh!

P.S. Der Tarzan-Schrei stammt natürlich vom bayerischen Jodler ab. Le.

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