Politik : … Sindelfingen alt aussieht

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Sindelfingen. Man könnte zu Sindelfingen auch Dubai Schwabens sagen. Sindelfingen, das war der Ort, in dem Milch und Honig durch die Straßen flossen, und wenn man genau diese Straßen überquerte, wandelte man auf Zebrastreifen, die aus Marmor waren. Marmor aus Carrara. So sagenhaft war einst der Reichtum Sindelfingens, dass der Eintritt in die Schwimmbäder kostenlos war. Auch in Parkhäusern zahlte man keinen Cent. In Parkhäusern!

Vorbei. Sindelfingen, das Mekka des guten Sterns. Früher war, wer nach Sindelfingen reiste, fein raus. Wer nach Sindelfingen fuhr, kam, um sich ein neues Auto abzuholen, einen Mercedes. Eine Fahrt nach Sindelfingen verströmte das Gefühl, es geschafft zu haben, man reiste im Zug, zweite Klasse, an, und fuhr im Wohlstand wieder nach Hause. Man muss zugeben: In einem Mercedes über Carrara-Marmor zu rollen, das hat schon was.

Die Sindelfinger sind über ihren Reichtum sehr weltläufig geworden. Von einem frühen geschichtlichen Eintrag der Sindelfinger wissen die Schwaben zu berichten. Er stammt aus dem Jahr 1492, dem Jahr, in dem Kolumbus in Amerika landete. Er soll dann den Indios am Ufer zugerufen haben, ob auch einer aus Böblingen da sei. Böblingen, ist der Nachbarort von Sindelfingen, und Sindelfinger und Böblinger sind einander aufs innigste abgetan, sie können sich auf den Tod nicht leiden. Die Indios riefen Kolumbus zurück, dass nicht mal einer aus Sindelfingen da sei. Woraufhin Kolumbus Gewissheit hatte: „Wahrlich, ich habe einen neuen Erdteil entdeckt.“ Bei so viel Sindelfinger Liebe zur Mobilität ist es kein Wunder, dass sich hier ein paar Jahre später, die Firma Daimler niederließ und glücklich wurde. Ein berühmter Sohn der Stadt heißt Roland Emmerich. Der hat den Film „Independence Day“ gedreht. In dem Film kann die Erde im letzten Moment vor dem Untergang bewahrt werden, Außerirdische hatten ganze Städte platt gemacht.

Die Rettung wird Sindelfingen nicht erfahren, einen wie Emmerich wird es nie mehr geben. Es wird überhaupt keinen Sindelfinger und auch keine Sindelfingerin mehr geben. Die Stadt ist verarmt, sie kann sich die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe nicht mehr leisten, sie wird dichtgemacht. Wer Nachwuchs haben will, muss ins Kreiskrankenhaus nach Böblingen. Es ist mehr als fraglich, ob Sindelfingerinnen Böblinger gebären wollen. Die Stadt wird altern, wahrscheinlich wird man bald sagen, Sindelfingen, das ist die Sun City Schwabens, der Seniorensitz. Und wer poliert dann den Marmor?uem

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