Politik : ...starke Frauen kein Sakrileg sind

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Jeder Hasenschüler weiß es: Wir Frauen sind an allem schuld. Jetzt auch noch an Ostern. Die Geschichte indes ist ziemlich kompliziert. Schließlich war Jesus ein Mann, und seine zwölf Jünger waren Männer, und Dan Brown, der amerikanische KultAutor des Kult-Romans „Sakrileg“, in dem Jesus als Mann mitspielt, ist ebenfalls männlichen Geschlechts – und Tarcisio Bertone, der Erzbischof von Genua, der dieses Buch als Kirchen-Mann „beschämend“ findet, sowieso. Männer also, so weit das österliche Auge reicht. Dazu passt, dass der Mikrozensus, die größte europäische Haushaltsbefragung, just in der Karwoche zu dem Ergebnis kam, dass sich die Kompetenz deutscher Frauen in den Top-Etagen von Politik und Wirtschaft aufs Ostereiersuchen beschränke. Das alte Lied.

Andererseits wird niemand ernsthaft behaupten, dass unser Land siecht, weil es so wenige starke Frauen gibt. Hat Angela Merkel nicht gerade bei Loriot in Berlin bewiesen, wie herzhaft sie lachen kann? Lachen stärkt die Abwehrkräfte, nicht nur die eigenen! Und ist es nicht ein echt starkes Stück, wenn Annette Schavan, baden-württembergische Kultusministerin und ledig, erklärt, sie sei nicht lesbisch? Chapeau, findet Alice Schwarzer, die Frau hat Mut.

Den wiederum hat Verona Pooth, ehemals Feldbusch, ohnehin mit Eierlöffeln gefressen. Zum einen will sie am 20. Juli heiraten, zum Zweiten engagiert sie sich – was wirklich eine gute Sache ist – für die Darmkrebs-Prävention, und zum Dritten lässt sie sich von Nina Ruge gar nichts sagen. Diese nämlich soll ihr nun öffentlich empfohlen haben, jeder Hochzeitsgast möge als Geschenk doch eine „Stuhlprobe“ mitbringen. Darauf Verona: Sie lasse ihre kirchliche Trauung nicht mit „Exkrementen“ beschmutzen, Ruge müsse sich entschuldigen. Darauf Ruge: „Alles Quatsch!“ Das letzte Abendmahl ist nichts dagegen.

Die Sache mit der Stuhlprobe bringt uns zu Dan Brown zurück, den das „Sakrileg“ so berühmt gemacht hat, dass er keinen Linienflug mehr buchen kann, ohne dass sich Schlangen von Autogrammjägern bilden, die ihm zum Signieren vorzugsweise Spucktüten, Damenbinden und Windeln unter die Nase halten. Was Frau im Flieger eben so zur Hand hat. In seinem Roman übrigens hat Jesus mit Maria Magdalena nicht nur ein Verhältnis, sondern sogar ein Kind. Bibelhistorisch ist das falsch, was die Genueser Erregung erklärt. Richtig aber ist, dass Maria von Magdala als Erste an Jesus’ Grab stand. Eine Frau vor allen Jüngern als Zeugin der Auferstehung! Nur gemacht hat sie nix draus, die Mutige, die Eifrige, ausgeschlachtet haben es andere. Typisch. Le.

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