Politik : … Stefan Raab vom Pferd fällt

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Tierschutz, Tierschutz … Natürlich ist alles Kreatürliche auf dieser Welt fraglos und um jeden Preis schützenswert, von der fliegenden indonesischen Baumschmucknatter über den Wolperdinger bis zum FransenlippenFledermäuschen. Wer wüsste das besser als Brigitte Bardot, die jüngst inmitten ihrer 100 Pferde, Katzen, Hunde, Ferkel, Ziegen, Enten und Hühner verkündete, sie komme ohnehin aus einem fremden Universum, nämlich „von einem Planeten der Blumen und Tiere“. Schön für sie. Der Alltag eines voll berufstätigen Tierschützers allerdings sieht anders aus. Beschränkte sich die Arbeit in den Siebzigern darauf, einmal in der Woche Grzimek zu gucken und pelzmäntelbewehrte Damen mit Stickern wie „Ich bin eine Mörderin“ oder „Zum Frühstück nur Gänsestopfleber“ zu beglücken, so gesellte sich in den Achtzigern der Außendienst hinzu: Keine deutsche Fußgängerzone ohne zottelige Gestalten in olivgrünen Parkas, die einem Fotos von hirnamputierten Mäusen oder gevierteilten Katzen unter die Nase hielten, kein Besuch bei Horten ohne Streichelzoo. Wenig später linsten bestenfalls noch rot geweinte Kaninchen-Äuglein von schmuddeligen Plakat-Wänden, und es wurde ein wenig still um den Tierschutz.

Dieses Schweigen bricht heute Abend – wenigstens ex negativo – Stefan Raab, der in Aachen zum „TV Total Reit- Championat“ lädt. Hindernisse von 80 bis 100 Zentimetern Höhe, sieben an der Zahl, Ex-No-Angel Jessica ist bereits disqualifiziert, n-tv-Moderator Manfred Bleskin ebenso, Giulia Siegel und Nora Tschirner hingegen dürfen auf ihre Teilnahme noch hoffen. Dilettanten hoch zu Ross? Das kann der Tierschutz nicht dulden und warnt eindringlich vor „schweren Unfällen“, wobei er natürlich-kreatürlich die Pferde meint. Michael „Micky“ Mronz wiederum, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH und Guido Westerwelles Lebensgefährte, hat mehr die Menschen im Auge respektive jene sagenhaften 5,93 Millionen, die im vergangenen Jahr Raabs „Erster offizieller Wok-Weltmeisterschaft“ beiwohnten (damals bretterte man in asiatischen Pfannen einen Eiskanal herunter). Nun ist ein Pferd keine Pfanne. Trotzdem können wir Zweibeiner hier zu Lande noch froh sein. Kollege Arafat im Nahen Osten etwa wurde tierschutzseits gerade dazu aufgefordert, für seine Attentate doch bitte keine Esel mehr mit Sprengstoff zu beladen. Ja, was denn sonst? Straßenköterblonde deutsche Entertainer vielleicht? Liberale Politiker? BB?? Le.

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