Politik : … Tanken was für Polizisten ist

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Die schönsten empirischen Untersuchungen sind allemal die, die unsere Vorurteile zementieren: Na logo, Beamte schlafen nachmittags am tiefsten! Latinos lieben nachts am feurigsten! Und Frauen können keine Kreise malen, egal zu welcher Tageszeit – das alles ist längst tausendmal erhoben, in Langzeitstudien hunderte Male gegengecheckt und mit Doppelblindtests abgesichert.

Ein Bild entsteht. Und oftmals bleibt es. So mancher Berufsgruppen-Prototyp hat sich auf diese Weise schon einen angestammten Platz in unserem Herzen gesichert: der frühaufstehenden Bäcker, der nimmermüde, gelegentlich seine Durchhaltefähigkeit überschätzende Trucker, der schullärmgeplagte und schon deshalb verständlicherweise notorisch schlecht gelaunte Hausmeister. Recht leicht zu beantworten die Frage, wie die Welt wohl wäre ohne sie alle. Sie wäre ärmer. Und wir mit ihr.

Noch immer schlägt das Klischee die bei weitem verlässlichste Schneise durch den Dschungel unseres komplexer werdenden Alltags. Pfade sind das, auf denen man getrost durchs Leben trampeln kann. Der Schweizer mag Fondue. Der Afrikaner trommelt für sein Leben gern. Und der Pole dreht gelegentlich am Rad, es muss aber nicht unbedingt sein eigenes sein …

Als Ausbund penibler Korrektheit im Dienst erschien uns quasi bis gestern auch noch die Truppe von Scotland Yard, drüben auf der Insel. Kein Gedanke daran, dass bei denen auch mal was Größeres schief gehen könnte. Und in der Tat: Nur weniges konnte den traditionsreichen Ruf der Londoner Polizei bislang erschüttern. Nun aber tut das ausgerechnet der jüngst veröffentlichte Bericht der Aufsichtsbehörde MPA zur Verkehrssicherheit von Scotland Yard. Londons Polizisten, hat die MPA nämlich festgestellt, sind zu doof zum Tanken.

Allein im vergangenen Jahr füllten die Angehörigen von Scotland Yard nämlich etwa 150 Mal den falschen Sprit in die Tanks ihrer Dienstfahrzeuge. In Worten: einhundertfünfzig Mal! Die Verwechslungen an den Zapfsäulen verursachen mittlerweile einen Schaden von Zehntausenden britischen Pfund.

Das ist mit einer gewissen Fahrigkeit, hervorgerufen durch permanente Arbeitsüberlastung, nur unzureichend erklärt. Womöglich ist es die Form eines subversiven Protests, zum Beispiel gegen die Gefährlichkeit ihres Jobs. Dann allerdings hätte es sich schon gelohnt. Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Londoner Polizisten beteiligt waren, ging nämlich von 6356 auf 5681 zurück. Vbn

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