Politik : ...Turbo-Rolf bremsen muss

-

Es ist schon etwas länger her, dass der „Spiegel“ seinen Titel mit einem deutschen Michel zierte, der sich eine Zapfpistole an die Schläfe hielt, bereit zum Suizid angesichts extremer Spritpreise. Damals, liebe Kinder, kostete der Liter Super ungefähr eine Mark fünfzig. Das waren schöne Zeiten, denn heute wird der durchschnittliche Preis nach der dritten Preiserhöhung in dieser Woche auf 1,22 Euro klettern. Das wäre erst recht ein Grund, ins Jenseits zu flüchten, müssten wir nicht argwöhnen, dass dort auf AutoJunkies allenfalls eine klapprige Carrera-Bahn wartet und nicht 70 jungfräuliche 3er-BMWs in gleißendem Halleluja-Metallic.

Die Gründe für den Anstieg sind so undurchsichtig wie immer, allenfalls das Prinzip ist klar: Steigt der Dollar, steigt der Benzinpreis, sinkt der Dollar dagegen, steigt der Benzinpreis auch, weil die Kursgewinne den steigenden Rohölpreis… Na, und so weiter. Das ist ohnehin Kleinkram, weil der Löwenanteil des Preises bekanntlich im Bundeshaushalt versickert, der dennoch längst nicht so schön schnurrt wie ein Achtzylinder deutscher Provenienz.

Es kommt ja sowieso kaum einer klar mit den Widersprüchen, die das Thema uns Autofahrern aufnötigt. Gegen die Ökosteuer wettern und dann mit einem jener hochbeinigen PseudoGeländewagen davonbratzen, die Sprit saufen wie die Abrams-Panzer im Irakkrieg – das ist bundesdeutsches Normalverhalten. Selbst Minister Trittin, sonst um keine noch so gedrechselte Erklärung verlegen, hat nicht überzeugend begründet, warum er selbst nur mit A8 oder Phaeton unterwegs ist, zwei definitiven Gegenentwürfen zum Drei-Liter-Auto, das er uns anderen so warm ans Herz legt.

Es ist, psst, die Zeit des G-Worts gekommen. Geschwindigkeitsbeschränkung! EU-Kommissar Piebalgs hat sich jetzt bereits auf die Seite jener geschlagen, die zum Sparen Tempo 90 in ganz Europa durchsetzen wollen. Und die Erfahrung lehrt uns, dass EU-Kommissare stark dazu neigen, ihre Meinung in harte Rechtsvorschriften zu gießen. Für Turbo-Rolf und seine Freunde brechen harte Zeiten an.

Tempo 90 für alle? Oh, stöhnt die Autoindustrie, da geht unser einzigartiger Entwicklungsvorsprung verloren. Uh, stöhnt die Managerkaste, drei Termine weniger am Tag, was soll aus unserer einzigartigen Effizienz werden? Von den Politikern wollen wir gar nicht reden – undenkbar, dass die Meppener Tofu-Tage ohne Renate Künast eröffnet werden, weil die es mit 90 nur noch bis Braunschweig schafft. Wir müssen wohl ein sehr ernstes Wort mit den Ölscheichs reden. Rettet uns! werden wir sagen, senkt den Preis! Sofort! Und dazu sehr deutlich die Zapfpistole an die Schläfe heben. bm

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben