Politik : … umgetauscht wird

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Krawatte gegen Socken, CDs gegen CDs, Wollpullover (braucht eh kein Mensch mehr) gegen Hemd, Handy gegen Handy, Parfüm, von dem der Gatte annahm, es kombiniere mit der Gattin, gegen Parfüm, das die Gattin erfreut, Computerspiel gegen Computerspiel und so weiter und so weiter, heute ist der Tag des Umtausches. Was nicht gefällt vom Gabentisch, wird getauscht, meist gegen Aufpreis, das ist immer so am Tag nach Weihnachten.

Heute ist aber auch der Tag, an dem endlich „Corot“ starten soll. „Corot“, jenes europäische Weltraumteleskop, das gegen Unmengen Euro den Weltraum durchstöbern soll. Es muss doch da draußen verdammt noch mal irgendetwas geben, Außerirdische, oder besser noch, keine Außerirdischen, aber einen erdähnlichen Planeten. „Corot“ soll ihn suchen. Und wenn er ihn gefunden hat …

Hier auf der alten Erde wird’s ja nun langsam ein wenig gaga. Für Silvester sind wieder Temperaturen im gefühlten Frühlingsbereich angekündigt. Es ist so mild, in Berlin am Schlachtensee wurde am ersten Weihnachtstag eine Frau gesehen, wie sie nach absolvierter Joggingrunde in den Badeanzug stieg und mit dem in den See. Großer Gott, am ersten Weihnachtstag ein Bad im See, die Erde spinnt. Wenn das so weitergeht, könnte man doch, falls „Corot“ fündig geworden ist, die alte gegen eine neue Erde umtauschen, die wir dann wieder kaputtmachen können.

Andererseits, will man heute so düster in die Tage zwischen den Jahren starten? Nö, will man nicht. Also eine schöne Geschichte von dieser alten Erde. Sie spielt in Lotte, einer kleinen Gemeinde bei Osnabrück. Dort hatte ein 41-jähriger Familienvater – lange arbeitslos und von daher nur mit Mühe in der Lage, den beiden Kindern, acht und neun Jahre alt, Geschenke zu kaufen – diese Geschenke im Keller versteckt, aus dem sie noch vor der Bescherung gestohlen wurden. Die Polizei wurde gerufen, die Beamten ahnten wohl schon die Kindertränen und sammelten auf der Wache alle möglichen Süßigkeiten und zwei Teddys. Warum auf einer Polizeiwache zwei Teddybären rumhocken, ist egal, so ist das eben im Weihnachtsmärchen. Dann riefen die Ordnungshüter beim Bürgermeister an, der spendierte sofort 200 Euro, ob aus dem Gemeindesäckel oder der Privatschatulle ist auch völlig egal. Dann öffnete der Leiter eines Warenhauses noch einmal sein Geschäft, und der Vater konnte mit den 200 Euro jede Menge Spielzeug für die Kinder kaufen. Es wurden also Tränen gegen strahlende Kinderaugen getauscht. Vielleicht sollten wir die alte Erde doch noch behalten und bewahren, wer weiß, was ein Umtausch bringt. Bei Krawatte gegen Socken gibt es ja auch keine Verbesserung. uem

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