Politik : … uns das Gegenteil rettet

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Ohne jetzt gleich wieder, gähn, über das Wetter zu lamentieren oder über so sexy Sachen wie die Eigenheimzulage, die EUZuckermarktreform, Zabels Schweißaushub, unsere Dieselrußfiltersteuervergünstigung, Bully – wer? – Herbig und die Gewichtszunahme bei übermäßigem Verzehr von an sich unverdächtig wirkenden Fast-Food-Produkten: Immer öfter beschleicht einen doch das Gefühl, dass in dieser Welt etwas fundamental falsch läuft, ja, dass sich in dem haufenweise Falschen überhaupt nie wieder etwas klitzekleines Richtiges wird regen können.

Über Teddy Adornos berühmten Satz wiederum, es gebe kein richtiges Leben im falschen, ist so viel gehirnt und geschwallt worden, dass es längst nicht mehr feierlich ist. Allein, die „Minima Moralia“ sind von 1951, und wir werden sie verflixtnocheins neu zu überdenken haben. Denn wenn alles falsch läuft, dann heißt das, streng logisch, dass auch kein richtiges Leben mehr im richtigen existiert, dass plus mal plus also minus ergibt. Das aber kann nicht sein, denn dann würde es ja nullkommajosef nützen, dass einer wie Zabel sich für einen wie Ullrich zwei Wochen lang das Zwerchfell aus dem Leib radelt. Am Ende gewinnt der nicht, und alle sagen wieder, es hätte an den Pommes mit Majo gelegen, die Ullrich übers Jahr so ...Nee, nee. Halten wir lieber dialektisch dagegen, schöpfen wir, frei nach Adorno und Eva Zwerg, frischen Mut: Es gibt kein falsches Leben im falschen, minus mal minus macht plus, jawoll! Das Leben sieht nur so verheerend aus, in Wahrheit ist alles super size toll! Kurz und gut: Die Erotik des (nackten) Gegenteils, sie lebe hoch.

In Wahrheit stürzen wir also wie die Lemminge in Filme von Bully – wer? – Herbig, nur um uns hinterher wieder an Klopstock, Humperdinck und Böcklin zu laben; wir fühlen Schwimmhäute zwischen unseren glitschigen Fingern sprießen – und haben die Sonne im Herzen; und ohne dieses ganze blöde Zulagenzeugs bauen wir sowieso die viel schöneren Heime und fahren wir sowieso die viel gesünderen Autos. Einer, von dem man in dieser Hinsicht eine Menge lernen kann, ist Roald Amundsen. Seit seiner Kindheit, so der norwegische Polarforscher Anno 1911, habe er davon geträumt, den Nordpol zu erreichen: „Nun stehe ich auf dem Südpol.“ Heute wäre Amundsen 132 Jahre alt geworden. Wir verneigen uns vor dem „schweigsamen, herrischen“ Mann und vor der Barentssee, die seine Gebeine hütet. Schauer, 10 Grad, sagt das Geburtstagswetter. Glückwunsch! Le.

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