Politik : ... uns der Teufel holt

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Jetzt stellen wir uns mal auf den Kopf und behaupten das nackte Gegenteil. Sie werden sehen, wie heilsam das ist, wie tröstlich. Trost, seelischen Beistand kann schließlich jeder brauchen in Zeiten wie diesen. Trost kann keiner aber auch in Unzeiten wie jenen missbrauchen – und wenn Sie jetzt gar nichts mehr verstehen, dann ist das in einer Welt, in der Leute wie Kerner und Kati Witt alles verstehen, doch auch irgendwie beruhigend, weil andersrum.

Also los: Die Borussen sind pleite? Es lebe Schalke 05! Joschka will für den „ganzen Mist“ geradestehen? Dann muss sich Guido Westerwelle in Zukunft nicht groß krummlegen. Der UrHase ist 55 Millionen Jahre alt und hoppelte durch die Mongolei? Wir glauben weiter – auch demographisch – an das Karnickel der Zukunft! 20000 Deutsche (bloß) sterben pro Jahr durch zuviel Fernsehen? Da können die restlichen 82480000 sich getrost Dritt- und Viertschüsseln aufs Dach nageln.

Ein geradezu leuchtendes Beispiel für das Dialektische im Lebenspraktischen aber ereilt uns heute aus dem Vatikan. Ein gewisser Pater Gabriele Amoth nämlich hat den schönen Satz geprägt „Wo der Glaube schwächer wird, wächst das Götzentum“. Das gemahnt an Hölderlin und ist ansonsten ein klarer Fall. Auch wo es wächst, weiß der Pater zu berichten: In Diskotheken und an Orten, an denen, pfui, äbääh, Drogen konsumiert würden. Diese Etablissements seien „Rekrutierungsbüros für das Böse“, Horte des Satanskultes, schwarzer Messen und sittenverderbter Pseudo-Riten. Und weil nicht nur die Drogenkurve steil nach oben zeigt, bietet der Vatikan an seiner Vatikan eigenen Hochschule jetzt erstmals einen Vatikan eigenen Exorzismus-Kurs an. Das ist schlau.

Die katholische Kirche nimmt die Teufelsbeschwörung also selbst in die Hand. Aber so einfach ist das nicht. Denn wenn der Satanismus auf eine „Gegengesellschaft ohne Moral“ abzielt und das Gute ins Böse und das Böse ins Gute verkehrt, dann kann die Geistlichkeit die Sache dialektisch- rechnerisch nur schlimmer machen. Eine „Gegengesellschaft ohne Moral“ nämlich ist – minus mal minus ergibt auch jenseits der Alpen plus – nichts anderes als eine Gesellschaft mit Moral, und wenn ehrenwerte Patres wie Gabriele Amoth sich nun, theoretisch wie praktisch gestählt, an deren Austreibung machen, dann bricht das Lotterleben demnächst todsicher alle Rekorde. In vordialektisch-untröstlicher Zeit hätte man gesagt: Der Heilige Vater treibt den Teufel hier mit dem Beelzebub aus. Aber da hieß der Kopfstand auch noch Kopfstand und nicht „Shirshasana“ und war eine ganz ordinäre Leibesertüchtigung und keine ayurvedische Weltverbesserungstherapie. Le.

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