Politik : … uns Kolben fressen

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Bei dem letzten Werkstättentest einer Autozeitschrift erzielte Mercedes ein desaströses Ergebnis. Acht Betriebe waren ausgekundschaftet worden, nicht einer war in der Lage, alle vorher detailliert eingebauten Mängel zu beheben. Mercedes, das war doch mal der Inbegriff der deutschen Wertarbeit und Stuttgart ihr Hauptwohnsitz. Deutsche Wertarbeit, gibt es die überhaupt noch? Im Auto wahrscheinlich nicht mehr.

Ach, früher. Früher, da fuhren die Menschen Mercedes, Volkswagen, Opel, Audi, BMW, gute deutsche Wertarbeit. Früher, da sah man die anderen Autos im Straßengraben stehen, mit ihren entnervten Chauffeuren daneben, auf der Suche nach immer neuen Pannen. Besonders bei den Italienern. Und dann lachten die Gute-deutsche- Wertarbeit-Fahrer und sagten, guck mal, ein Fehler in allen Teilen, oder kurz: Fiat.

Was nun den Kolbenfresser angeht, so ist dies ein erheblicher Schaden, der dadurch entsteht, dass sich an der Reibestelle zwischen Kolben und Zylinder eine zu hohe Temperatur bildet. Wie das passieren kann, ist jetzt egal, irgendwie erwärmt sich der Kolben schneller als der Zylinder und peng! Bekanntlich hat am vergangenen Wochenende in Suzuka der Ferrari-Motor peng gemacht und ist stehen geblieben, was in der Folge zum ebenfalls bekannten Schumi-Drama führte und dem wahrscheinlichen Verlust des Weltmeistertitels. Klar, italienisches Auto, ist zwar kein Fiat, aber die sind doch alle gleich. Keine deutsche Wertarbeit eben.

Aber nun könnte das Schumi-Drama zum Debakel werden, zum deutschen Wertarbeitsdebakel. So ein Motor für ein Formel-1-Auto besteht aus 5000 Teilen. Und jetzt wird vermutet, dass ein Kolbenfresser Schumachers Fahrt stoppte. Und nun wird das Acht-Zylinder-Triebwerk 056 unten in Maranello auseinandergeschraubt. Die Schumacher-Kolben sind aus Aluminium. Sie kosten 800 Euro pro Stück. Sie sind 9,8 cm breit. Und 5 cm lang. Sie bewegen sich bei einem Rennen etwa acht Millionen mal rauf und runter. Sie haben eine Menge zu tun, und das Kühlwasser wird 115 Grad heiß. Wieso eigentlich Kühlwasser? Und nun kommt es: Die Kolben des Ferrari sind gar keine Italiener. Es sind, äh, doch, wirklich, äh, Schumachers Kolben in seinem Ferrari, seinem italienischen Auto, äh, es sind Deutsche. Jetzt ist es raus. Und als ob das noch nicht schlimm genug ist, sie werden produziert in, horribile dictu, sie werden produziert in Stuttgart, in der Mercedesstadt, in der Gute-deutsche-Wertarbeit-Stadt. Unser Schumi, hinweggerafft von Kolben aus dem Schwäbischen. Schön ist das nicht, wir können jetzt gar nicht mehr lachen, weil: selber Fiat.uem

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