Politik : ... Uschi wütet

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Die Natur. Wir lieben sie ja schon ganz doll, besonders die Tiere. Gerade die Tiere, die sind uns nun aber wirklich ans Herz gewachsen. Mit zwei Einschränkungen allerdings, zwei kleinen Einschränkungen. Tiere sind klasse, wenn sie hinter Gittern sind wie Knut. Oder portionsweise auf Styropor gebettet und eingeschweißt im Kühlregal liegen wie das Gulasch. In der Natur, also dem, was man freie Wildbahn nennt, ach nein, da sind sie uns weniger lieb. Eine Maus in der Küche, heißa, da ist das Geschrei aber groß. Ein Wal im Rhein, hoppla, der hat da aber nichts zu suchen. Ein Alligator in der Kanalisation, och nö, lieber nicht. Und ein Reh auf der Motorhaube kann den gesamten Ausflug ins Grüne vermiesen. Alles schon vorgekommen. Man könnte sagen, wir haben uns mehrheitlich von der Natur entfremdet.

In Pamplona zum Beispiel oder in kleinen Städten Südfrankreichs ist es noch nicht so schlimm. Da jagen sie alljährlich Kühe, Stiere, Ochsen durch die Straßen, sehr zur Belustigung der Bevölkerung und der Touristen, sehr zur Muterprobung der dortigen Jugend. Mag sein, dass dabei der eine oder andere einen Schneidezahn verliert, aber das ist bei den hiesigen Mutproben vor den Discos auch nicht anders.

In Hannover hat nun Uschi Pamplona gespielt und ist durch die Straßen des Stadtteils Limmer getobt. Uschi ist eine Kuh, trächtig, und sollte, wie aus Polizeikreisen verlautete, manikürt werden. Also eigentlich unguliert, von „ungula“, der Huf, aber sei’s drum. Uschi legt offensichtlich nicht so viel Wert auf einen gepflegten Vorderfuß, Uschi ist ausgebüxt. Und hat dann Limmer in Angst und Schrecken versetzt. Hat die Natur in Form sorgsam gehüteter und gepflegter Vorgärten zertrampelt, hat Grenzen überschritten, indem sie Zäune niederriss, hat im Vorgriff auf den 1. Mai die Ordnungsmacht attackiert und deren Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge demoliert. Und hat den Limmeranern gezeigt, was eine Kuh auch ist, außer Filet und Milchspender: wild, freiheitsliebend, gefährlich. Kein feuriger Hannoveraner, der sich Uschi in den Weg geworfen hätte, vielleicht weil der Hannoveraner dem Feurigen von je her nicht so zugetan ist, vielleicht, weil es ihm in den Jahrhunderten der Viehzucht abhandengekommen ist. Uschi ante portas! Hannover-Limmer hat das Grauen gesehen, den Furor der Natur.

Was nun Knut angeht, der soll jetzt wieder entmenschlicht werden und nach Narvik, in den nördlichsten Zoo der Welt, ziehen. Gut so. Aber erst, wenn das Geschäft mit dem neuen Porzellanknut zu 148 Euro das Stück gemacht ist.uem

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