Politik : … Viktoria bei uns ankommt

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Heute sagen wir: Willkommen, Viktoria! Du also bist die neue Tochter unseres Bundeskanzlers. Du bist drei Jahre alt und aus Russland und hast ganz schön Glück, weil alles geklappt hat. Dein neuer Papa ist schon 60, selten zu Hause, war sehr oft verheiratet und hat einen extrem unsicheren Job. Mama ist auch schon über vierzig. Normalerweise kriegen solche älteren, in Beziehungsfragen eher sprunghaften Leute bei uns keine Kinder zum Adoptieren. Die Beamten, die über solche Sachen zu entscheiden haben, machen dann einen spitzen Mund. Sie fragen: „Soll dieses Kind vielleicht eines Tages zu einem Handy Papa sagen?“ Aber er ist Kanzler. Er hat euren russischen Präsidenten zum Freund. Das spielte bei der Adoption bestimmt keine Rolle. So geht es zu auf der Welt, Viktoria.

Böse Menschen werden sagen: Das letzte Mal ist er wegen der Flut als Kanzler wiedergewählt worden, diesmal heißt die Flut Viktoria. Er wird dich vielleicht im Wahlkampf auf dem Arm halten, böse Menschen sagen „Babyschütteln“ dazu. Vielleicht bringt er an Weihnachten einen Tannenbaum in deinen Kindergarten, da wirst du deine ersten „Bild“Reporter kennen lernen. Die sind nett, aber etwas verrückt. Die Geschichtsforscher sagen: Als es mit dem Römischen Reich bergab ging, fingen die römischen Kaiser an, zu adoptieren, es begann die Epoche der Adoptivkaiser. Mit Deutschland geht es ebenfalls bergab, das steht fest, Viktoria. Aber warum sollen wir über die Motive deines Vaters spekulieren? Man kann in einen Menschen nicht hineinschauen. Für Holly jedenfalls ist es schlecht. Holly ist der Terrier, den deine Eltern sich letztes Jahr angeschafft haben. Deine Mama sagte im Fernsehen: „Ich habe das Joggen eingestellt, weil ich so viel unterwegs bin mit Holly.“ Zwischen Holly und deinem Vater, sagte sie, „gibt es eine besondere Beziehung. Er hat ihr etwas vorgesungen“. Jetzt bist du es, die für Holly singen muss, Viktoria.

Du wirst eine Schwester haben, sie heißt Klara. Dein neuer Vater hatte auch schon mal zwei andere Töchter, die heißen Wiebke und Franca, er war schon mal eine Art Adoptivvater, weil er mit ihrer Mutter verheiratet war, mit Hillu. Dann stritt er sich mit Hillu, seitdem haben Wiebke und Franca nicht mehr viel von ihm gehört. Er hat viel zu tun. Das muss man zugeben. Er will bei den nächsten Wahlen eine neue Chance, die dritte. Und du bist, was Adoptivtöchter angeht, auch seine dritte Chance. mrt

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