Politik : ...wir auf den Hund kommen

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In dem ewig knisternden Spannungsfeld zwischen Mensch und Haustier – ach nein, fangen wir anders an, leichter, gefälliger, das notorisch Schwere hier unten, am Fuß der Seite, ausnahmsweise mal hinter uns lassend; auch, ja auch, weil es so Hoffnungsvolles zu vermelden gibt aus dem Bereich des – wie soll man ihn nennen? – Zwischenweslichen.

Schauen wir lieber nach Italien, was das Schlechteste ohnehin nicht ist, nach Turin, an die Universität. Dort wurde dieser Tage ein neuer Studiengang eingerichtet. 30 Tierärzte, immerhin, werden in den kommenden 18 Monaten zu Hunde und Katzenpsychiatern ausgebildet. Ein entsprechendes Grundwissen („Bist du nun ein Hund oder eine Katze?“) sowie eine gewisse Feinfühligkeit vorausgesetzt („Ach, lassen Sie doch, Ihr kleiner Liebling kann ruhig an meinen Schreibtisch pinkeln, er ist ja so unter Druck“), dürfen sich die Veterinäre am Ende eines erfolgreichen Studiums „Fachärzte für verhaltensgestörte Hunde und Katzen“ nennen.

Dann freilich rollt der Rubel. Die Nachfrage nach Spezialisten auf diesem Gebiet, zitierte die „Welt“ jüngst den für den Studiengang zuständigen Turiner Professor Marzio Panichi, sei „enorm“: Magersüchtige Perser, klaustrophobe Dalmatiner, Jagdhunde, die, bitte, wir zitieren nur, ihre Schwänze abkauten – es muss ein arges Elend sein mit der domestizierten Kreatur! Entsprechend viel wird zu tun sein, das Seelenheil der Beteiligten wiederherzustellen, und uns, was man in diesem Zusammenhang wohl sagen darf, schwant, dass es dabei nicht bleiben wird. Oh nein. Die weinerliche Wüstenspringmaus, den cholerisch wirkenden Goldfisch, den zur besten Fernsehzeit auffallend träge gewordenen Gecko – wie spricht man sie fortan an? Wie bekommen sie ihr Gefühl zurück, ernst genommen zu werden, und zwar: als Springmaus, als Fisch, als Gecko?

Lachen wir zu viel über sie, kuscheln wir zu sehr, klopfen wir zu heftig an die Scheibe? Ist der Schlafanzug für Hasso vielleicht zu grob gestrickt? Nichts von dem. Marcio Panichi, der Professor aus Turin, Sie erinnern sich, weiß schon, wo, nun ja, der Hase im Pfeffer liegt: Die Menschen erwarteten zu viel von den Vierbeinern. Sie müssten zu oft als Ersatz für „untreue Ehemänner, fehlende Geschwister oder Kinder herhalten“.

Schlimm, ganz schlimm. Schön, dass es wenigstens Daisy, wie man hört, gut geht. Der Schoßhund von Mosi hatte jetzt seinen ersten Drehtag. Viel Hetzerei für den kleinen Hund mit der putzigen Schleife, aber, so schreibt der Boulevard, das sei bei einer echten Filmdiva eben so. Vbn

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