Politik : ...wir das endgültige Geschenk finden

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Wie hoch unser Status auch sein mag: Immer steht jemand drüber. Zeigen wir das neue italienische Luxusköfferchen vor, ruft schon einer, ha, kenne ich, lasse ich in Peking für dreifuffzig das Stück nähen. Stehen wir schnaufend auf dem Matterhorn, schickt uns postwendend jemand eine Karte vom Everest. Und kaum rühmen wir uns des tollen Golfhandicaps, haut uns einer auf die Schulter und klagt darüber, dass seine Polopferde dauernd Bronchitis hätten.

Hier allerdings wäre doch ein nur schwer zu überbietendes Statussymbol: der Unterschriftenautomat. Das endgültige Geschenk? So ein Ding ist freilich höllisch teuer; der Automat für Roland Kochs Staatskanzlei vor zwei Jahren hat 14000 Euro gekostet. Aber es signalisiert: Mein Besitzer ist einer, auf den es ankommt. Ein Entscheidungsträger. Boss der Bosse. Einer, dessen Signatur so gefragt ist, dass er ohne maschinelle Hilfe von einer unheilbaren Sehnenscheidenentzündung hinweggerafft würde. Der so beschäftigt ist, dass er ohne den Schutz seines Büroapparats jeden Müll abzeichnen, pausenlos Lexika, Gemüseraspeln und Bauchmuskeltrainer bestellen würde: HansDietrich Genscher hat neulich, von Reportern gelinkt, sogar einen Aufnahmeantrag für die CSU unterschrieben.

Doch auch der Einsatz des Automaten will sorgsam überlegt sein, das beweist schon der Klassiker des Genres, Walther Leisler Kieps „Ich war es nicht, es war mein Unterschriftenautomat!“ Den Gang der Flick-Spendenaffäre vermochte dies nicht zu ändern, und der einzig knackige Bonus bestand seinerzeit in einer „Titanic“-Karikatur, in der die Säuglingsschwester Kiep einen plärrenden Sohn hinhält, aber der wehrt ab: „Ich war das nicht, es war mein F...automat! “

Eine Abschweifung, sorry. Denn das Thema Unterschriftenautomat sollte uns eigentlich direkt zu Donald Rumsfeld führen, dem amerikanischen Selbstverteidigungsminister, dessen aktueller Fauxpas aber ganz anders liegt als damals bei Kiep. Denn ihm wirft man nun vor, dass er die Kondolenzschreiben an die Angehörigen von etwa tausend im Irak gefallenen Soldaten nicht selbst unterschrieben hat. Der Schnörkel aus der Maschine als pietätloser letzter body count, ja, das ist in der Tat nicht jenes Ausmaß an Zuneigung, das der Soldat von seinem obersten Feldherren im Tode erwarten kann.

Die Superwichtigen brauchen also einen Automaten, der durchblickt und rechtzeitig Alarm schlägt: Eigenhändig unterschreiben! Aber für das bevorstehende Fest reicht uns Normalwichtigen sicher auch die Normalausführung. bm

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