Politik : ...wir das Spiel des Jahres feiern

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Zu Franz Müntefering und seiner Kapitalismuskritik kurz das Folgende. Im Jahre 1904 wollte auch schon mal die linke Wirtschaftstheoretikerin Elisabeth Magie (USA) etwas gegen den Kapitalismus tun. Sie entwickelte ein Brettspiel, „The Landlord’s Game“, um allen Menschen in exemplarischer Weise vorzuführen, wohin ein, wie wir heute wohl sagen würden, schrankenloser Neoliberalismus führt. Am Ende herrschen nämlich die Monopole und nichts geht mehr. Das Spiel funktionierte richtig gut, deswegen bot sie es der damals größten Spielefirma zum Kauf an, der Firma Parker. Die Leute bei Parker lehnten ab, Begründung: Das Spiel sei viel zu pädagogisch und linksradikal.

Jahre vergingen. Ein arbeitsloser Heizungsbauer aus Philadelphia, Charles Darrow, bastelte 1933 aus Holzabfällen und aus einer Halskette seiner Frau eine Version von „The Landlord’s Game“, das er von irgendwoher kannte. Das Spiel hatte kleine Holzfiguren, die ein bisschen an eine Heuschrecke erinnerten, und gefiel all seinen Freunden. Deswegen machte auch Darrow der Firma Parker ein Kaufangebot. Diesmal lehnte Parker mit der Begründung ab, dass bei dem Spiel die Figuren immer im Kreis herumlaufen, und nie an einem Ziel ankommen. Es sei erwiesen, dass Spiele, bei denen die Figuren im Kreis laufen, unverkäuflich sind.

Also hat Darrow sein Spiel erst mal selber vermarktet. Ein Supererfolg! Nach zwei Jahren hatte die Firma Parker es endlich kapiert. Sie haben Darrow ausgezahlt und „The Landlord’s Game“ vor genau 70 Jahren in großem Stil auf den Markt gebracht, im Juni 1935, unter dem fetzigeren Namen „Monopoly“. Es kam auch bald eine deutsche Version heraus. Sie wurde aber von Propagandaminister Joseph Goebbels als „jüdisch“ verboten, vor allem, weil die teuersten Straßen mit original Straßennamen von der Berliner Insel Schwanenwerder versehen waren. Dort lebten viele Nazibonzen, darunter Goebbels selber. Da witterte er versteckte Kritik an seinem Lifestyle.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Straßen bei „Monopoly“ sehr unterschiedliche Gewinnchancen besitzen. Von der Parkstraße lässt man besser die Finger, die bringt es nicht, dagegen landen die Spielfiguren überdurchschnittlich oft auf der Schlossallee. Elisabeth Magie, die eigentliche Erfinderin, lebte übrigens noch, als Parker mit „Monopoly“ einen Haufen Geld verdiente. Sie wurde mit einer einmaligen Zahlung von 500 Dollar abgefunden. Kapitalismuskritiker haben in der Sache oft Recht! Aber für sie selber zahlt es sich meistens nicht aus. mrt

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