Politik : ...wir den Becher auf Card. Ratz erheben

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Der Kaffeepott sieht ein wenig zu schräg aus, um echt zu sein. „The Cardinal Ratzinger Fan Club“ steht in hübschen roten Buchstaben drauf, daneben ein Bild jenes Papstanwärters, den sie im angelsächsischen Raum auch „Card. Ratz“ nennen. Unterzeile: „Puttin’ the smackdown on heresy since 1981“, was wir ungefähr so übersetzen können: „Mit der Peitsche gegen den Irrglauben seit 1981“. Artikel ist am Lager, Preis 12,99 Dollar, per Klick zum Warenkorb.

Nein! Das ist keine Satire, kein fieser Agnostiker der „Titanic“ hat da seine Finger im Spiel. Alles echt. Der RatzingerFan-Club teilt auf seiner Website neugierigen Journalisten sogar ausdrücklich mit, es gebe ihn seit dem Jahr 2000, und man habe sich nicht gegründet, um jetzt den Kardinal als Papst durchzudrücken. In der Tat verkauft man nicht nur Trinkbecher und T-Shirts, sondern öffnet den Zugang zu einer Materialflut, die ungefähr der Textproduktion sämtlicher christlicher Konzile seit dem 2.Jahrhundert und zurück entsprechen dürfte, einschließlich Forum, Veröffentlichungsübersichten und Antworten auf die häufigsten einschlägigen Fragen. Hinzu kommen Weblogs, zum Beispiel „papabile.blogspot.com“. Papabile? Die Anleitung für den englisch sprechenden Neuling gibt es gleich dazu: „pay-pah-bee-lay“. Pay, nun ja: Die akkurate Aussprache lateinischer Vokabeln steht wohl nicht im Vordergrund, wenn sich die Internet-Gemeinde zum Konklave versammelt.

Ja, dies ist die erste Papstwahl des Computerzeitalters, und das führt zu einem Stilwandel, der so überraschende Dinge wie den Ratzinger-Kaffeepott erst möglich gemacht hat. Der verstorbene Papst wurde wie ein Popstar gefeiert, der nächste wird vermutlich ein Popstar sein, sobald der weiße Rauch aus dem Schornstein dringt. Ob er sich schon bereit findet zum Internet-Chat und eine Webcam in seinem Arbeitszimmer installieren lässt? Oder erst der nächste? Nur eine Frage der Zeit.

Es liegt in dieser Situation eine Chance für Deutschland. Gut möglich, dass Cardinal Ratz, zum Papst erhoben, noch werbend für seine Heimat einherschreitet, wenn Chancellor Gerd mit seinem ewigen Hin- und Her-Peitschen zwischen Glauben und Irrglauben längst vergessen ist. Marktl am Inn, der Geburtsort, und Tittmoning, wo Ratz seine ersten Lederhosen bekam, steigen zu international begehrten Pilgerzielen auf, es geht ein Ruck durchs Land wie einst durch Polen…

Der Siegeszug von Cardinal Ratz kann beginnen. Wer helfen will, braucht nur einen Mausklick: Zwei Tage Lieferzeit, und der Kaffeepott ist da. bm

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