Politik : … wir es ganz genau nehmen

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Keine neue Welt ohne neue Sprache – hat die Dichterin Ingeborg Bachmann einst gefordert, und prompt wundert einen gar nichts mehr. Nehmen wir nur einmal eine so unbescholtene, mottenkugelige Redensart wie „Der Teufel steckt im Detail“. Sagt sich leicht, stammt ausnahmsweise nicht aus dem Amerikanischen (the devil sticks in the little – der Übersetzungstest beweist’s) und findet flächendeckend Verwendung. Kaum wurden nach schweißtreibenden Stunden die ersten SparGespräche bei Daimler- Chrysler erfolglos abgebrochen, hieß es in spätzleseliger Einhelligkeit, der Teufel, ha ja, där stägge äba im Dedail. Ja, wissen Vorstände und Gewerkschaftler überhaupt, was sie da reden? Und verstehen wir – Schwäbisch hin oder her –, was sie uns damit sagen wollen?

Erstens: Wer soll dieser Teufel sein? Ein natürliches Brüderchen des baden- württembergischen Ministerpräsidenten Erwin T. vielleicht, der seinerseits eindringlichst an die „Verantwortungspartnerschaft“ der streitenden Parteien appelliert hatte, was ein so abscheuliches Wort ist, dass einem heute weniger um die 6000 bedrohten Sindelfinger Arbeitsplätze Angst und Bange wird als um die deutsche Lippe an sich? Ein hässlicher haariger Bocksfüßler, der uns den Alltag zur Märchenhölle macht, immer wenn das morgendliche Knäckebrot mal wieder auf die Marmeladenseite klatscht oder Jan-inzwischen-helfe-ich- auch-Klödi-gern-Ullrich bergwärts an fremden Hinterreifen klebt?

Zweitens: Wo genau steckt dieses Bürschchen? Ein Detail, so entnehmen wir dem Duden-Fremdwörterbuch, sei ein „Einzelding“. Na, super. Erwins fieses Brüderchen macht es sich also in jedem einzelnen Cent der paar hundert Millionen Euro bequem, die die Sindelfinger sparen müssen, es quetscht über Jan-sechsmal-Zweiter-ist-doch-auch- was-Ullrichs übersäuerten Muskelfasern eine Zitrone nach der anderen aus und durchleuchtet kraft „Bild“-Zeitung Westerwelles süßen Micky nach dem Homo-Gen. Den Schwaben können wir an dieser Stelle schon aus sprachlichen Gründen nicht helfen. Allen anderen aber sei gesagt, dass die Welt noch Wunder kennt. Chinesische Paläontologen haben jetzt herausgefunden, dass die Seegurke aufs Engste mit dem Menschen verwandt ist. Seit 500 Millionen Jahren. Wo man sich doch so gar nicht ähnlich sieht. Über die sexuellen Vorlieben unserer kleinen grünen Meeresfreundin ist vorerst freilich nichts bekannt. Aber malen wir den Teufel mal nicht an die Wand. Le.

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