Politik : ...wir ha ha ha singen

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Berlin. Alles ruhig? Nein, leider nicht. Im Grunde geht es im Regierungsviertel derzeit doch sehr ähnlich zu wie in der dritten Woche der Tour de France. Die Helden – müde. Nur ein paar Figuren strampeln sich jeden Tag aufs Neue auf irgendwelchen Flachetappen ab, damit ein wenig Fernsehzeit für sie abfällt. Man nennt sie Ausreißer, nicht ohne Grund. Einen Tag später erinnert sich dann keiner mehr an sie.

Unser Ausreißer der Woche, er hat gerade die Bergwertung auf dem Hügel des Absurden klar für sich entschieden, ist der Unionsabgeordnete Willy Zylajew, ein, jedenfalls dem Foto im Internet nach zu urteilen, freundlich wirkender Vater von fünf Kindern mit nachlassendem Haarwuchs und einem womöglich im Alphabetischen wurzelnden Drang nach Aufmerksamkeit. Bitte, Letzteres ist nur eine Mutmaßung, aber wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass mit Kindern, deren Nachnamen mit V, W, X, Y oder Z beginnen, später nicht mehr viel anzufangen ist, weil sie in der Schule praktisch nie drangenommen werden. Kanzler sein, das zeigt die deutsche Geschichte, kann man mit diesen Initialen jedenfalls nicht, Bundespräsident nur in absoluten Ausnahmefällen, Bundestagsabgeordneter allenfalls.

Zylajew jedenfalls wurde jetzt von „Bild“ aufgestöbert, damit er den deutschen Sänger Heino („Schwarzbraun ist die Haselnuss“) als Volksliedbeauftragten des Bundestags vorschlägt. Heino, der ja kürzlich erst versprochen hatte, nie wieder auftreten zu wollen, sich andererseits aber vorstellen kann, nächstes Jahr zur WMEröffnung schon aufgrund einer gewissen Textsicherheit die Nationalhymne vorzutragen, hatte sich zuvor allerdings selbst schon ins Spiel gebracht. Gerne würde er das neu zu kreierende Amt übernehmen – selbstverständlich „überparteilich“.

Ja, und warum der ganze Unsinn? Nur weil unsere künftige Kanzlerin zwar alle naselang nach Bayreuth marschiert, um sich dort stundenlang mit Wagner zuzudröhnen, andererseits aber nicht mal die zweite Strophe von „Die Gedanken sind frei“ repetieren kann. Mein Problem, hat Angela Merkel neulich zugegeben, „ist die Textkenntnis“. Das habe sie wohl mit den meisten Deutschen gemein.

Stimmt ja gar nicht! Und jetzt alle, Zylajew, und auch du, Heino, altes Volksliedschlachtross: „Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich. Schwarzbraun muss mein Madel sein. Gerade so wie ich. Duvi du duvi duvi di ha ha ha. Duvi du duvi duvi di ha ha ha. Duvi du duvi duvi di.“

Na, geht doch, Deutschland! Vbn

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