Politik : ...wir in Hitlers Steuerakte blättern

-

Die Jahresrückblicke werden es beweisen: Dies war das Jahr, in dem uns Adolf Hitler irgendwie näher gekommen ist, menschlich gesehen. Bruno Ganz hat ihn im Film als rabiaten Knallteufel mit kleinen melancholischen Durchhängern so prägnant gezeichnet, dass spätere Generationen immer mal wieder nachschauen können, und auch die Suche nach den Eigenheiten des OriginalFührers kommt Schritt für Schritt voran. Neuester Fund: seine Steuerakte.

Ja, eben. Wir wissen zwar viel über Hitler als Mensch, dass ihn schmerzhafte Furze quälten, dass er dem Deutschen Schäferhund in sentimentaler Zuneigung verbunden war, solche Sachen halt. Aber nie hat man uns näher gebracht, wie er sich den Alltag einrichtete. Hat er den Müll runtergebracht? War ihm die Marke der Schnurrbartwichse wichtig? Hat er für „Mein Kampf“ ein Exposé herumgeschickt und die üblichen Ablehnungsbriefe bekommen, „...mit Interesse gelesen...Ihnen leider mitteilen... passt nicht in unser Verlagsprogramm...“?

Deshalb können wir ihn uns auch nur schwer beim Ausfüllen der Steuererklärung vorstellen. Er hat offenbar die eine oder andere ausgefüllt, gezahlt aber wohl nichts außer Hundesteuer und Kirchenumlage; Historiker sollten mal überprüfen, ob der Hitlergruß eventuell ursprünglich die Höhe des dabei aufgelaufenen Aktenstapels zeigt. Ja, es sieht so aus, als sei Hitler in erster Linie deshalb Reichskanzler geworden, um sich von dieser Position die riesigen Steuerschulden aus Tantiemen und Schenkungen vom Hals zu schaffen. Das hat funktioniert, wenn auch noch unklar ist, wie die Gespräche mit dem Chef des Münchener Finanzamts bis zur abschließenden Anhörung des Steuerpflichtigen Hitler, A., genau gelaufen sind. „Dann werde ich rrrrrücksichtslos von der Waffe des Widerspruchs Gebrauch machen“, das wäre der passende Duktus, der seine Wirkung gewiss nicht verfehlt hätte.

Da muss Klarheit rein. Wo bleibt die Verwertungsmaschinerie der Medien? „Hitlers willige Steuerberater“, eine Serie von Guido Knopp, fünf Folgen, das wäre nun wirklich das Minimum. Die geheimen Heizkostenabrechungen des Führers, Enthüllungen, wie er seinem Gemüsehändler Rabatt abpresste, dazu das Buch „Hitlers ganz legale Steuertricks“ – so in dieser Richtung.

Nur Bayern steht jetzt dumm da, weil es auf Forderungen von zigtausend Reichsmark sitzen geblieben ist. Andererseits gehören dem Münchener Finanzministerium die wertvollen Rechte an „Mein Kampf“. Und so wohnt doch allem eine höhere Gerechtigkeit inne. bm

0 Kommentare

Neuester Kommentar