Politik : ... wir Kleingeld brauchen

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Von Miss Moneypenny wissen wir, dass sie in heftiger Liebe zu Commander Bond entbrannt ist. Von Mister Bond, James Bond, ahnen wir, dass er in der Tiefe seines Herzens auch nicht abgeneigt wäre. Damit muss jetzt Schluss sein. Bond, James Bond, der Gentleman, wird sich erklären müssen. Ist doch Miss Moneypenny nicht mehr zuzumuten, Miss Moneypenny zu heißen, wenn es zumindest außerhalb ihres heimatlichen britischen Königsreiches gar keine Pennys, respektive Cents mehr gibt.

Denn es ist der Tag, an dem Europa nach niederländischem Vorbild die Abschaffung der Ein und Zwei-Cent-Münzen diskutiert, weil beide viel teurer sind als ihr Wert oder so ähnlich. Ob dergleichen klug ist? Immerhin hat schon der römische Kaiser Vespasian mit Kleingeld seinen desaströsen Haushalt saniert. Dass sich seine Münzsammlung aus dem Eintrittsgeld der öffentlichen Bedürfnisanstalt rekrutierte, mag damals den einen oder anderen moralisch irritiert haben. Damals. Heute hat die Welt die Erkenntnis des Vespasian verinnerlicht, dass Geld nicht stinkt.

Dass Kleinvieh auch viel Mist macht, wussten in der Folge ungezählte junge Mädchen. Mit sittenstrenger Sparsamkeit häuften sie Pfennig auf Pfennig, bis aus der Sammlung Brautschuhe wurden. Zu Ehren dieser löblichen Askese wurde der Pfennigabsatz erfunden. Auch wenn es nach Gebrauch der Brautschuhe mit der finanziellen Zurückhaltung schnell vorbei war, war doch der Pfennig in gewisser Weise ein Baustein der Zukunft.

Doch ja, man wird ihn vermissen, den Pfennig und seinen großen Bruder Cent. Allein schon, weil kein Glück mehr auf der Straße liegen wird. Man hatte zwar nicht unbedingt Planungssicherheit, wenn man einen Glückspfennig erspähte und aufklaubte. Aber ein wenig Zuversicht verlieh dieses kupferne oder wenigstens kupferfarbene Kleinod schon. Und ob jemand freiwillig fünf Cent am Stück verliert, um anderen Menschen Freude zu bereiten, darf bei der allgemeinen Wirtschaftslage bezweifelt werden.

Und die wird sich nicht ändern, wenn wir bald den Cent, respektive den Pfennig schmähen. Der Taler, von dem der Volksmund spricht, verhält sich in so einem Fall nämlich zickig. Hans Eichel und seine Kollegen in Europa sollten sich vom Einstampfen des Cents also keinen Aufschwung erhoffen.

Ein Gutes allerdings hätte die Sache. Wir ordentlichen Deutschen könnten endlich unsere Korrektheit ablegen. Es kann doch dann niemand mehr von uns erwarten, dass wir überall alles auf Heller und Pfennig zurückzahlen. uem

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